(Die Edgar Meyer - Klause.) Es gibt in Innsbruck eine Menge Örter, an denen man stillvergnügt bechern kann, aber keinen so der Welt — nämlich dem nordtirolischen Stadtbilde da draußen — entrückten mehr als das neueste Trinkstübchen, in das man durch eine kleine von bunten Fresken auf Goldgrund umrahmte Türe in einem Gangwinkel des Hotel „ Kreid" gelangt. Ganz im Stillen ist da eine hervorragende Sehenswürdigkeit entstanden. Verheißungsvoll grüßt über der Pforte die Tafelrunde des Königs Artus. Treten wir ein! Ein kleiner quadratischer Vorraum empfängt uns, in welchem über den Garderobeträgern die Ansichten der Burgen Runkelstein, Reisenstein, Welfenstein und Tirol angebracht sind. Das Stübchen selbst, in das wir nun gelangen, ist durch eine reich geschnitzte durchbrochene Holzwand in Kvei Teile geteilt. Die Decke ist gewölbt, und täuschend wirken die steinernen Rippen des Gewölbes, die aber doch imitiert sind. Sonst aber ist alles echt, am echtesten das gleich auf der Decke selbst entworfene, vielverschlungene und m ' otivenreiche gemalte Rankenwerk ( nach Motiven aus Reifenstein); das von vier Stengeln in den Ecken ausgeht und Schriftbänder mit Sprüchen von Pichler u. a. umschließt. An den Wänden umschließen dieselben Ranken getreue, nur etwas vergrößerte Kopien der lieblichen naiven und doch so restlos guten Tristan- Fresken aus Runkelstein. Über einer schönen Kredenz, die einen geschnitzten gotischen Baldachin trägt, finden wir dine Darstellung eines Ballspiels aus dem Mittelalter, in welchem eine Dame in einem weißen Kleide als ein Porträt der Margarete Maultasch gilt; auf der anderen Seite finden wir einen höfischen Tanz. Im Erker sind Wände und Decke in Mosaik - Imitation ausgemalt; dort bilden Walther von der Vogelweide und Heinrich von Off- Lerdingen eine gute Gesellschaft für den einsamen Zecher. In Walthers Schristbande stehen seine goldenen Worte: „ Deutsche Zucht geht vor in allem! " Schöne Glasgemälde lassen bei Tag ein stimmungsvolles Däm ' merlicht ein; abends leuchtet von der Decke die stille Flamme manches Kunstfreundes, die liebliche Sterzingerin, in einer wohlgelungenen Kopie, die Professor Edgar Meyer beigestellt hat.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 29. August 1907, S. 6, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8241-neues-trinkstuebchen-im-hotel-kreid-mit-kunstvollen-fresken-und-1907).
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(Dampsbäckerei des Beamten - Konsumv ereines.) In den nächsten ' Tagen wird die neuerbaute Dampfbäckerei des Beamten - Konsumvereines dem Betriebe übergeben werdein. Die Bäckerei befindet sich in hohen, oberirdischen, lu …
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