Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
FRAUEN WIDERSTAND GEGEN TEURE MILCH

Kritik an der Milchverteuerung und Vorschläge zur genossenschaftlichen Milchbeschaffung

der Rohprodukte zu suchen. Wenn die Bauern zu uns kommen und sagen: „ Uns gehts schlecht,, wir müssen die Milchpreise erhöhen ", so er - andern wir, „ es ist möglich, daß es euch)! schlecht geht, aber daran sind wir nicht schuld, sondern die Bauern selbst, welche ihre Metzger selbst ins Parlament sandten. Wir lehnen es ab, für die Folgen aufzukommen. " Redner kam nun auf die Liquidation der Zentralmolkerei zu sprechen. Diese habe vielfach selbst oft mit MilchmangeL zu kämpfen gehabt, da sie von den Bauern irr der Umgebung Innsbrucks im Stiche gelassen wurde. Noch war sie nicht tot, da kamen die Herren Nimmst Rauch u. s. w. mit der Milchverteuerung und schlugen gleich um vier Heller aus, während die kleinen Bauern wenigstens nur z w e i Heller aufschlugsn ( auch von diesen nur ein Teil. Anm. der Schriftleitungch Redner wies weiter auf das Unrationelle der heutigen Milchzufuhr hin, die den Bauern viel zu teuer kommt, da sie dadurch, daß jeder einzelne sein Milchwagerl in die Stadt schickt, eine Unsumme von Arbeitskräften verlieren. Die Bauern sollen sich aus genossenschaftlicher Grundlage zusammenschließen, jedes Dorf soll sich einen gemeinsamen MiWührer halten, der die Milch dann in die Stadt bringt. Entsteht zudem hier dann eine betriebsfähige Molkerest so kann der Bauer bei einem Milchpreis von 16 Hellern vielleicht mehr profitieren, als mit 24 Hellern. Das wäre ein Gebiet für den „Bauernbund ", Hier könnte er sich nützlich machen. Aber es scheint, daß der Bauernbund eben nur den Großgrundbesitzern in die Hand arbeiten will. Man hört ja, daß die Milch- Verteuerung bei 24 Heller nicht stehen bleiben wird, sondern daß man die Milch demnächst vielleicht sogar mit 30 und 40 Heller zahlen muß. Herr Pappoldi erwähnte ferner, daß er und der Reichsrats - Abg. Abram beim Bürgermeister gewesen seien und daß dieser die Flüssigmachung des seinerzeit zur Milchbeschaffung genehmigten Kredites öersprochen habe. Pas städtische Approvisioniernngskomitee wolle demnächst fn einer. Sitzung üher djp Mittel rmd Wege beraten, die gegenüber der Milchverteuenmg einzuhalten sind.. Die Gemeinde wolle für billige Milchbeschaffung von auswärts sorgen und die Milch dann zum Selbstkostenpreise an verschiedene VerWeißstellen abgeben, hezw. sie in Handwagen durch die Straßen führen hassen. ( Großer Beifchl.) Besonderen Einfluß, sagte Redner, hätten im Kämpfe die Frauen. Sie sollen nur für KrankZ und Kinder bie verteuerte Milch kaufen, im üppigen aber diese Milch ablehnen und sagen, wir offen Brennsuppe.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 1. Oktober 1907, S. 7, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8260-kritik-an-der-milchverteuerung-und-vorschlaege-zur-1907).

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