Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
SCHMAEHKRIEG UND GELDSTRAFE

Geldstrafe gegen R. Ehr. Jenny wegen Beschimpfung des Redakteurs Grissemann

Gerichtszeilung. (Zur Preß klage Grisse mann gegen R. Ehr. Jenny.) Wir haben kürzlich berichtet, daß Herr R. Ehr. Jenny, der Herausgeber des „ Tiroler Wastl ", vom Bezirksgerichte Innsbruck wegen einer in seinem Blatte enthaltenen Beschimpfung des Redakteurs der christlichsozialen „ Tiroler Post ", Herrn Louis Grissemann zu 40 Kronen Geldstrafe verurteilt wurde. Aus der Darstellung des „ Tiroler Wastl " geht hervor, daß die ganze Angelegenheit aus einen in Imst vorgekommenen Selbstmord eines Amtsdieners zurückzusühren ist. Jenny warf der „Tiroler Post " in seinem Blatte vor, daß sie es gewesen sei, die den armen Mann durch' einen Schmähartikel in den Tod trieb. Diesen schweren Vorwurf ließ das Blatt ruhig ans sich sitzen. Erst als Jenny mit einigen Kraftausdrücken wie Schweinehunde rc. herausrückte, wurde er vom Redakteur Grissemann wegen Beschimpfung geklagt und, wie erwähnt, verurteilt. Tie „ Tiroler Post " kam bei der Sache aber auch schlimm weg, denn der Richter Herr Perthaler verlas bei der Verhandlung ein von ihm eingeholtes Aktenstück des Bezirksgerichtes Imst, worin der dortige Landesgerichtsrat bestätigt, daß der Amtsdiener wegen der verleumderischen Artikel der „ Tiroler Post " in den Tod gegangen ist.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 11. Oktober 1907, S. 10, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8264-geldstrafe-gegen-r-ehr-jenny-wegen-beschimpfung-des-redakteurs-1907).

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