Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
DREIMAL RETTUNG – KEIN MAL GLÜCK

Tragisches Ertrinken eines Mannes beim Brückenbau in Kranebitten — Heldische, doch erfolglose Rettungsversuche des Artisten Schnappauf

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 12. Oktober 1907 · Seite 10 · #Brücken (Gemeinden)
(Zum Unglück beim Brückenbau in Vö Ls — Kranebitten) werden uns nachträglich noch einige Einzelheiten gemeldet, die ersehet: » lassen, daß das Unglück ein geradezu schauderhaftes Drama war. Rechts und links hatten sich je 40 bis 50 Zuschauer eingefunden, doch konnte man zur Rettung des unglücklichen, an die Pilote sich klammernden Plattner nichts Lun, da die einfachste Vorsichtsmaßregel, die bei einen Brückenbau beachtet werden sollte, die Bereu thaltu ng einer Rettungszille, nicht beobachtest worden war. Die Eltern und die Frau Plattuers jammerten herzzerbrechend. Das Werfen von Leinen half nichts, weil Plattner keine Hand loslassen konnte, ins Wasser zu springen, wagte aber niemand. Nach einer Stunde holte man den zufällig in Kranebitten befindlichen Artisten Herrn Konrad Schnappauf, da man sich von ihm Hilfe versprach. In der Tat wollte dieser auch Rettung bringen. Ohne sich lange zu besinnen, ließ er sich an seilen und sprang samt! den Kleidern ins Wasser. Da sich zeigte, daß er mit den Kleidern nicht gut schwimmen könne, entledigte sich. Herr Schnappauf derselben und sprang dann abermals in den Fluß. Nun gelang es ihm, bis zu einem halben Meter in die Nähe des bedauernswerten Mannes zu kommen. Schon hatte es den Anschein, als ob die Rettnng gelingen wollte, schon streckte Plattner eine Hand aus, als die Strömung den kühnen Schwimmer fortriß. Ein drittesmal noch machte Schnappauf den Versuch, Plattner zu retten. Diesmal erreichte er die Pilote, aber leider so, dos; sich das Seil um dieselbe herumwickelte. Infolge dessen geriet Schnappauf selbst in Lebensgefahr und mußte mit den Wellen kämpfen, um sich selbst zu retten. Dadurch, daß er mehrmals an die Pilote angeschleudert wurde, erlitt er am ganzen Körper blutunterlaufene Quetschungen. Schließlich verlor er die Kraft und konnte dem unglücklichen Plattner nur noch! zurnfen, Loszulassen und sich an seinem (Schnappaufs) Rücken festzuklammern. Plattner konnte der Aufforderung nicht mehr Folge leisten. Nässe und Kälte hatten ihm so zugesetzt, daß er den Kbampf bekommen hatte und nicht mehr loslassen konnte. Erst als der Retter von ihm bereits wieder ein Stück entfernt war, lösten sich Plattners. Hände von selbst. Nochmals gelang es ihm dann, die Piiote zu erhaschen, allerdings nur mit einer Hand. Einige bange Minuten vermochte er sich noch zu halten, dann sank er mit einem Aufschrei in die Wellen, in denen er
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 12. Oktober 1907, S. 10, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8265-tragisches-ertrinken-eines-mannes-beim-brueckenbau-in-kranebitten-1907).

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