Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
BLINDE KÜNDEN MIT MUSIK

Musik als Trösterin und Erziehungsgrundlage für Blinde

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 30. November 1907 · Seite 34
SamStag den 30. November 1007. Musik - Unterricht für Blinde. Von Franz Thurner. Am I. europäischen Blindenlehrer - Kongreß in Wien in den Tagen vom 3. bis 8. August 1873 fand der Antrag, „ daß die Musik in der Blindenschule als ästhetisches Bildungsmittel, sowie als Quelle der Erheiterung und des Erwerbes gleich dem Schul und Arbeitsunterricht einen Haupt gegenständ bilde und dort nach Maßgabe der zu Gebote stehenden Mittel und Lehrkräfte, der persönlichen Eignung der Zöglinge und der örtlichen Verhältnisse auf tragbaren und nicht tragbaren Instrumenten zu lehren sei ", angenommen. Es ist nun, insbesondere da wir vor einem hochinteressanten Blindenkonzerte stehen, in dem in Musik und Gesang hervorragend ausgebildete Musiker und Tont ' ünstler den Beweis ihrer Abbildung und ihres musikalischen Könnens erbringen loerden, angezeigt, sowohl über den Wert der Musik für Blinde, als auch über die Erfolge einige Daten zu bringen. Wir 'halten uns hauptsächlich an die Kongreßberichte und Mitteilungen. Musik ist, heißt es darin u. a., die freundliche Trösterin des Blinden, sie verscheucht den Mißmut und entschädigt ihn jür so vieles, was er entbehren muß. Das innere Wesen eines Blinden, sein Denken und Empfinden ist von dem eines Vollsinnigen nicht verschieden; weil nun die Musik vorzugsweise auf den inneren Menschen wirkt, sein Gemüts und Empfindungsleben berührt und vermittelst des Gehörs aus die Seele einwirkt, so ist der Blinde eben so sehr geeignet, die Wirkung der Harmonie und Melodie an sich zu erfahren, als der Sehende; und wenn auch die Ausübung dieser Kunst für ihn mit größeren Schwierigkeiten verbunden ist, so kann ihm deswegen doch ein Anspruch auf Erlernung derselben nicht bestritten werden. Wenn man erwägt, daß dem Blinden so mancher äußere Genuß versagt ist, so wächst der Anspruch aus die Ausbildung des inneren Lebens, und es erscheint, wie Dr. Mathias schon 1856 in seinem Organ sagt, als eine Forderung der Humanität, diese Armen, denen der Blick in die Herrlichkeit der Schöpfung und auf die Werke des Kunstfleißes versagt ist, zu den Wundern im Reiche der Harmonie heranzuführen, sie den Zauber derselben fühlen zu lassen, sie Musik verstehen und selber Hervorbringen zu lehren. Und wir fügen hinzu: Der Blinde, der mit allen seinen Kenntnissen und Fertigkeiten in der räumlichen Welt immer ein Fremdling bleibt, hat einen umso größeren Anspruch aus die Welt der Gefühle und Empfindungen, welche ihm die Musik erschließt; denn hier findet seine Phantasie eine angemessene Nahrung, hier findet er immer einigen Ersatz für die Menge von Freuden und Genüssen,
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 30. November 1907, S. 34, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8288-musik-als-troesterin-und-erziehungsgrundlage-fuer-blinde-1907).

Weitere Berichte aus der Rubrik „Literatur, Theater & Musik“

RODANK FEIERT 70 OHNE MASKE

Siebenzigster Geburtstag des Tiroler Schriftstellers Arthur von Wolkenstein-Rodenegg

Innsbrucker Nachrichten · 5. Jänner 1907 · S. 5 · Literatur, Theater & Musik

Neuwahl des Präsidiums und der Ausschüsse. (S i e b z i g st e r G e b u r L s t a g e i n e s T i r oler Schriftstellers.) Der bekannte ' Erzähler Arthur Graf von Wolken stein - Rodenegg, dessen Romane aus der Tiroler G …

THEATER UNTER GENDARMEN

Aufführung des Schauspiels „Jugend“ in Schwaz unter Gendarmerieschutz auf Grund anonymer Drohung

Innsbrucker Nachrichten · 31. Jänner 1907 · S. 5 · Literatur, Theater & Musik

Es ist wohl sicher, daß sein Benefize ein volles Haus machen wird. ^Theater in Schwaz.) Das Schauspiel „ Jugend " von - Max Halbe, welche Direktor Krasensky Dienstag den 20. d. M. im Bürgersaale zur Aufführung brachte, f …

DIE STRASSE NACH DEM DIAVOLETTI

Neue Straße in Wien trägt Namen des Tiroler Dichters Johann Senn

Innsbrucker Nachrichten · 4. März 1907 · S. 4 · Literatur, Theater & Musik

(Ehrung eines Tiroler Dichters in Wien.) Der Stadtrat in Wien hat beschlossen, einer neueröffneten Straße zu Ehren des 1792 in Pfunds geborenen, 1857 in Innsbruck verstorbenen tirolifchen Dichters Johann Senn den Namen „ …

✎ Korrektur-Modus Klicke in jede Überschrift oder Transkriptions-Zeile (Enter = nächste Zeile, Shift+Enter = Zeile teilen)
Gesammelt: 0 Artikel |