Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
KEIN BLUT, ABER BRUTAL

Erinnerung an die Kämpfe der Tiroler Kaiserjäger in Herzegowina und Crivoscie im Jahr 1882

Samstag dm 28. Dezember 1307. Vor 25 Jahren. Erinnerungen an den Kamps in der Herzegowina und in der Crivoscie. Es möge mir gestattet sein, noch kurz vor Jahwsschluß aus ein Ereignis hinzuweisen, das vor 25 Jahren einen Teil der österreichischen Wehrmacht in Anspruch nahm, und von dem auch ein nicht unbeträchtlicher Teil der Tiroler Kaiserjäger, nämlich mehrere Jahrgänge des damaligen ersten und zehnten Bataillons derselben, in Mitleidenschaft gezogen wurde. Es sind dies die Operationen zur Niederwerfung des Ausstandes in der Herzegowina nn der Crivoscie in Süddalmatien im Fahre 1882. Galt es nun damals auch gerade nicht, blutige Schlachten zu schlagen, so hatten die Truppen immerhin opfervolle, an Strapazen aller Art reiche Kämpfe zu bestehen — Kämpfe mit einem Gegner, der nichts zu verlieren, aber alles zu gewinnen hatte; einem Gegner, der «ebenso hinterlistig und falsch als fanatisch und grausam war, und der in den kühn himmelwärts strebenden Felsen, und schwer zugänglichen Schluchten des Karstes ein gerade für seine Kampfesweise geeignetes Terrain und Deckung fand. Mit Wehmut erinnern sich heute noch die Kampfgenossen an jene leider nicht vereinzelten Fälle, daß kleinere Abteilungen, die es an der nötigen Vorsicht fehlen ließen, von anschleichenden Jnsurgentenbanden überrumpelt und auf bestialische Art massakriert und hingemordet wurden. Monatelanges Freilager, oft unter den schlechtesten Witterungsverhältnissen ( Regen und Schnee, und die durch Mark und Bein dringende Bora taten das ihrige) waren durchzumachen, und mancher unserer Kriegskameraden hat sich dort den Keim zu einem Leiden geholt, dem er noch im schönsten Mannesalter zum Opfer fallen sollte. Und nun in kurzen Umrissen Einiges über die Operationen selbst. Bereits im Spätsommer des Jahres 1881 verdüsterten gewitterschwangere Wolken den politischen Horizont des südöstlichsten Teiles unserer Doppelmonarchie. Unter der Bevölkerung der Crivoscie, die sich teilweise über die ganze Booche di Cattaro und den südöstlichen Teil der Herzegowina ausdehnte, entstand eine Gärung. Hervorgerusen angeblich durch die Härten des im Jahre 1880 in Kraft getretenen neuen Wehrgesetzes und einer Steuerreform. Die böse Fama behauptet — ob mit Recht oder Unrecht, möge hier unerörtert bleiben — durch italienische Agenten sei diese Erregung fleißig geschürt worden; namentlich soll die „ Jrredenta " dabei sehr rührig gewesen sein. Jedenfalls glaubten die betörten Bewohner der Crivoscie, daß ein gewaltsamer Ausstand wieder so glatt für die Aufständischen verlausen würde, wie der Ausstand in der Zuppa in Süddalmatien
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 28. Dezember 1907, S. 18, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8308-erinnerung-an-die-kaempfe-der-tiroler-kaiserjaeger-in-herzegowina-1907).

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