Innsbrucker Nachrichten Seite T. Nr. 66. tüchtigem Wirken im Haushalt zu geben. Leider ist die Schule des Tiroler Hausfrauenvereines noch; immer viel zu wenig bekannt, denn es gibt Hunderte von Familien in Innsbruck und auswärts, welche diese Schule nicht einmal dem Namen nach kennen. Jährlich könnten zum mindestens 12 Dienstmädchen an der Anstalt ausgebildet werden, 12 Familien würden dadurch richtige Dienstboten bekonunen, 12 Hausfrauen müßten sch nicht selbst abplagen, um den Mädchen die Grundbegriffe des Haushaltes beizubringen. Von Jahr zu Jahr stiege die Zahl an brauchbaren Dienstboten. Wäre die Unterstützung der Dienstbotenschule des Vereines durch Stiftungen für fleißige, brave Mädchen nicht auch ein Jubiläums - Wohltätigkeiswerk? Es vergeht keine Woche, kein Tag, ohne daß an die Leitung des Hausfrauen - Vereines Anfragen um Dienstmädchen einlangen. Die wenigen Mädchen, die unentgeltlich auf Vereinskoften am gebildet werden, sind sofort vergriffen. Mit der Beitrittserklärung zum Verein und dem jährlichen kleinen Beitrag von 2 Kronen kann viel ^ utes geleistet werden. Ja, ohne jedes Geldopfer kann geholfen werden. Ein paar hinweisende Worte, wenige Minuten Zeit, die Anempfehlung eines Mädchens genügen, um das Werk zu fördern, welches mit großem Opfermut begonnen und mit regem Eifer vollendet wird. Die Schule Ist gegenwärtig von 36 Schülerinnen besucht, 20 davon wohnen in der Schule. Der Vorbereitungskurs für Koch und H aushaltungslehrerinnen zählt 9 Schülerinnen. Stadt, Staat und Land nehmen regen Anteil an dem Gedeihen der Anstalt. Frau Baronin Spiegelfeld, Frau Landeshauptmann Kathrein und Frau Bürgermeister Greil besuchten die Schule und äußerten sich! sehr lobend. Die Vorstellung legte eine Heimsparkasse an. Me Vvrstandsdamen, vereint mit den Mitgliedern, bitten um Beiträge. Me gesammelten Beträge werden zur Schaffung eines Jubiläums - Freiplatzes für einen Dienstboten bestimmt. Jede Auskunft erteilen die Vorstandsdanren. Me Schule kann täglich von 9 bis 12 Uhr vormittags und von 4 bis 6 Uhr nachmittags besucht und besichtigt werden. Aufnahme von Schülerinnen für den Sommerkurs findet jederzeit statt. Auch werden Schülerinnen zum Besuche einzelner Unterrichtsstunden aufgenommen. Beispielsweise Bügeln 6 Stunden wöchentlich, Nähen und Schnittzeichnen 12 Stunden wöchentlich. Me Vorträge über „ Erste Hilfe bei Unglücksfällen " und „ Chemie der Küche " sind allgemein zugänglich.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 18. März 1908, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8344-dienstbotenschule-des-tiroler-hausfrauenvereines-ruft-um-1908).
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