Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
ZEITUNGSKRIEG UM CHRISTEN UND JUDEN

Kritik an der Berichterstattung des 'Allgemeinen Tiroler Anzeigers' durch die 'Innsbrucker Nachrichten'

Aus Stadt und Land. (In eigener Sache.) Der „ Allgemeine Tiroler Anzeiger ", der sich soviel auf seinen christlichen Standpunkt zugute tut, leistet sich in seiner gestrigen Nummer eine Perfidie, die uns zu einer Erwiderung zwingt. Das Matt bringt nämlich an der Spitze des lokalen Teiles folgende Erklärung: „Bekanntlich brachte der „ Allgemeine Tiroler Anzeiger " einen Artikel, betitelt „ Die Warenhauspresse ", in welchem nachgewiesen wurde, daß die „ Innsbrucker Nachrichten " sür den Großjuden zum Schaden des Kleingewerbes und des ganzen christlichen Volkes eingetreten seien und sich ferner sür den Wahrmund - Schwindel und die „ Freie Schule " eingesetzt hätten. Auf das hin schickten die „ I. N. " eine „ Berichtigung ", die wir auch wiedergegeben haben, trotzdem sie den Tatsachen nicht entsprach. Nicht zufrieden damit, strengten die „ I!. N. " die Preßklage an. Die Redaktion des „ Anzeiger " war aber imstande, solche Beweisgründe anzusühren, daß die „ I. N. " es vorzogen, die Klage zurückzuziehen. " Der „ Mlgemeine Tiroler Anzeiger " will durch dieses Muster von Verdrehungskunst offenbar die sür ihn sehr beschämende Tatsache wet ^ t wachen, daß er an leitender Stelle sich selbst Lügen strafen und verkünden mußte, daß oie „Innsbrucker N a ch r i ch t e n " e i n unbestechliches Organ seien. Nun will er die Sache so drehen, als ob er den Beweis erbracht hätte, daß letzteres unwahr sei. Deshalb faselt er von einer Preßklage, obwohl er ganz gut weiß, daß es sich um eine einfache Berichtigungsklage handelte, die von uns deshalb erhoben wurde, weil der „ Anzeiger" zögerte, die oben angedeutete Berichtigung aufzunehmen. Die Berichtigung Wurde von uns am 18. März (also am Tage vor dem Josesifeiertag) in einem eingeschriebenen Briese an den „ Anzager " geleitet und hätte also am 20. oder 21. erscheinen sollen. Ns sie an keinem dieser Tage gebracht wurde, reichten wir die Klage chmMg Nm I UM W0M gegen den „ Anzeiger " ein, der die BeriW« gung in seiner Nummer vom 23. März ' brach iA Jin Gerichtssaal verantwortete sich der RedW teur des „ Anzeigers " damit, daß er biß BsriM tigung nur deshalb so spät bracht «, weil D sie erst am 20. März, also verspätet em halten habe. Wir beantragten nun Erhebungen bei der Post und diese ergaben, daß der arD 18. März aufgegebene rekommandierte Brief tsA sächlich den Feiertag ( 19.) über im Postfacht des „ Anzeigers " schlummerte und erst am 20.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 4. April 1908, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8354-kritik-an-der-berichterstattung-des-allgemeinen-tiroler-anzeigers-1908).

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