Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
FRESKEN IM SAAL DER VERLOSER

Vorschlag zur Verschönerung des Franziskanerkirchhofes und Pläne zur Freskenwiederherstellung am alten Rathaus

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 18. April 1908 · Seite 45
SamMg den 16. April IdW. Altstadtsragen. In der Generalversammlung des ' JmiSbru § er Verschönerungsvereines wurde die Anregung gegeben, den Kreuzgang der Franziskanerkirche (Gymnasiunr - Hof) dadurch zu einer Sehenswürdigkeit zu machen, daß man an seinen Wänden Fresken aus der interessanten Geschichte der Stadt Innsbruck anbringt. Der Herr Bürgermeister wies diese Anregung nicht ab, machte aber die Mitteilung, daß die Gemeinde andere ähnliche Pläne schon längere Zeit in Reserve habe. Vor allem werde im ' heurigen Jahre der Versuch gemacht werden, die Reste des Freskenschmuckes der Fassade des allen Rathauses in der Herzog Friedrichstraße bloßzulegen. Finde sich genug, um die Fresken unter Benützung dieser Reste wiederherzustellen ( was allerdings zweifelhast ist), so solle dies geschehen; sonst aber denke die Gemeinde an die Neuherstellung dieser Fresken, von denen im Landesmuseum genügende Abbildungen vorhanden sind; der Betrag hiesür ist schon Heuer präliminiert. Man erwog auch eine Renovierung des alten Rathaussaales und eine Ausschmückung dieses ehrwürdigen Raumes mit Historienbildern aus der Stadtgeschichte in Freskomalerei. Jedoch habe die Gemeinde einen anderen Raum, der für diese Bilder hervorragend geeignet ist; das sei der große Stadtsaal, dessen Wandslächen auf solchen Schmuck von vornherein berechnet sind. Dort sollen, sobald die Gemeinde die Hände frei hat, um für solche Zwecke eine größere Summe auszugeben, derartige Fresken angebracht und der Stadtsaal so zu einer hervorragenden Sehenswürdigkeit gemacht werden. Soroeit die Worte des Bürgermeisters. Das alte Rathaus der Stadt Innsbruck dient derzeit verschiedenen Zwecken. Im ersten Stock hat der Musikverein zwei Räume inne; auch dessen Dienerwohnung befindet sich dort, und die Volksbibliothek. Der alte Sitzungssaal im zweiten Stocke dient für Militärstellungen, Kvntrollversammlungen, auch für Verlosungen und dergl. Ferner wurde er dem Deutschen Männergesangverein als Probelokal zur Verfügung gestellt. Außerdem befinden sich in demselben Gebäude zahlreiche Wohnungen und Magazine. Das alte Rathaus als Stadtmuseum oder dergleichen umzugestalten, ist so lange unmöglich, als nicht das Musikvereinsgebäude erbaut ist. Es ließe sich auf solche Art allerdings aus dem ehrwürdigen Hause ein wundervolles Schaustück machen; das muß, eben einer hoffentlich nicht zu fernen Zukunft überlassen werden. Ter interessante Besuch des Stadtturmes wäre dann dM Fremden eher nahegelegt. ( Hier sei eingeschaltet, daß die elektrische Beleuchtung der Turmstiege sehr angezeigt und unserem „ höchsten Bewohner " eine Wasserleitung, wenigstens bis in erreichbare Höhe, sehr zu wünschen wäre.) Nun zu den Fresken des alten Rathauses. Wir sahen im Stadtbauamte eine Aquarellkopie nach eine? alten im Aigner ' schen Kodex des Landesmuseums „ Ferdinandeum " befindlichen Abbildung. Nach dieser war das Gebäude von oben bis zu den steinernen Laubenbogen herab mit einer Architektur im Barockstil bemalt. Tie Attika trug eine gemalte Säulenreihe von roten Säulen, zwischen denen sich unter Draperien Wappen befanden; und Zwar in der Mitte das Reichswappen mit dem Doppeladler, davon links das Wappen Österreichs, rechts vermutlich jenes von Ungarn; außen links das Wappen Tirols, rechts das Stadtwappen. Die Fläche des ersten und zweiten Stockwerkes war mit einer gemalten Rustika - Teilung versehen. Zwischen den Fenstern des zweiten Stockwerkes sind Zwei allegorische Gestalten angebracht; man vermutet in ihnen die „ Klugheit " und die „ Bedächtigkeit ", gewiß gute Geister für eine Gemeindevertretung. Die Fenster des ersten Stockwerkes haben eine reiche Umrahmung mit Kartouchen, die oben Vasen mit brennenden Flammen tragen. Zwischen dem ' mittleren und dem rechten Fenster ist die Gestalt der „ Justitia " angebracht.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 18. April 1908, S. 45, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8362-vorschlag-zur-verschoenerung-des-franziskanerkirchhofes-und-plaene-1908).

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