Juni ehrwürdigen Gebäude Fresken aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, von einem unbekannten Maler, vielmehr nur deren Reste, verdeckt durch mindestens zwei Tüncheschichten. Die Gemeindevertretung hat den hocherfreulichen Entschluß, gefaßt, diese Fresken vor allem einmal auszudecken und mit aller Sorgsalt wieder herzustellen. Seit einigen Tagen ist der bekannte Maler Rafael Thal er mit der Suche nach, den Resten der Malereien beschäftigt. Die Abbildung, welche sich in einem Codex des Ferdinandeums befindet, scheint nur der Hauptsache nach zuzutreffen; wenigstens ergab ein gestern vom Konservator Regierungsrat Deining er und dem städt. Baurat und Leiter des Stadtbauamtes Ing. Klingler vorgenommener Lokalaugenschein, daß an einzelnen Stellen, an denen nach der Abbildung Ornamente, bezw. Figuren zu finden sein sollen, bisher unter dem Schabeisen nichts zum Vorschein kam. Gefunden wurde bisher die Fensterbekrönung im ersten Stock, bei welcher sich aus den Resten an verschiedenen Fenstern das Gesamtbild der Malerei jedenfalls wird Herstellen lassen. Man sieht in der Mitte der Verdachung eine Vase, stehend auf einer Verkröpften Gesimsbekrönung, umgeben von reichen Fruchtgehängen. Im zweiten Stocke umrahmt die Fenster ein fichuppenartiges Ornament von runden Scheiben, und über den Fenstern sieht man eine Art Muschel. Tie Farbenspuren sind sehr gering; bloß im zweiten Stocke hat man bisher solche mit Sicherheit feststellen können, ebenso an der Attika, welche aber zu einem großen Teile sogar den ursprünglichen Verputz verloren hat. Dort oben befanden sichj bekanntlich drei Wappen mit reicher Architektur. An der nördlichen Ecke bemerkt man in der Höhe des zweiten Stockes ein Säulenkapitäl und etwas niedriger eine andere Volute, an der eine Frucht hängt. Von der Gestalt der Justitia, die sich nach der Abbildung am ersten Stockwerke im größeren Fensterzwischenraume befinden sott, fand man bisher keine Spur. Heute setzt Maler Rafael Thal er nach den ihm vom Regierungsrat Teininger gegebenen Weisungen die Ausdeckungsarbeit fort, die natürlich sehr mühsam und heikel ist.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 17. Juni 1908, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8402-ausdeckung-alter-fresken-in-ehrwuerdigem-gebaeude-durch-maler-1908).
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