Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
TIROL IN EINEM RELIEF

Nutzung des Tiroler Reliefs zur Vorbereitung von Wanderungen in Alpenregionen

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 29. Juli 1908 · Seite 5 · #Kartographie
Das Relief von Tirol der Alpenvereins - Sektion Innsbruck, Leopoldstraße 15 ( ebenerdig), wird von Fremden wie Einheimischen immer mehr als Mittel benützt, sich für Wanderungen in Tirol, Oberbayern und Oberitalien zweckmäßig vorzubereiten. Tatsächlich gibt es gegenwärtig weder in Innsbruck noch in ganz Tirol irgend einen anderen Anschauungsbehelf, der diesem Zwecke gleich wirksam, bequem und billig dient. Während die Landkarte unser an Bergen so reiches Alpenland vollständig in einer Ebene darstellt, als wäre es durch eine Wiesenwalze ausgeflachjt und geglättet worden, zeigt uns das Relief in plastischer Form das wirkliche Antlitz des Landes mit seinen Bergen, Tälern, Flüssen, Büchen, Seen, Gletschern, ' Städten, Dörfern, Einzelhöfen, Alpen, Schutzhütten, Bahnen, Straßen, Wegen, Steigen, Weingärten, Feldern, Wäldern, Weiden und Felsen. Und zwar alles ohne Überhöhung, das heißt im gleichen Maßstabe für Höhe wie für Länge ( 1: 50. 000), also vollkommen der Natur angepaßt, da auch hier 1 Meter Höhe nicht größer oder kleiner ist als 1 Meter Länge. Dieses Relief gibt die Oberfläche des Landes daher ungleich! anderen Reliefs, die zur stärkeren Hervorhebung der Berge und Talfurchen Überhöhung, somit einen anderen Maßstab für Hohen als für Längen, zeigen, naturgetreu und nicht verzerrt wieder. Der Patscherkofel z. B., dieser Typus alpiner Behaglichkeit, gleichsam die Verkörperung gutbürgerlichen Friedens und Wohlstandes hat in diesem Relief die allen Bewohnern und Besuchern Innsbrucks wohlbekannten sanften Abhänge und Böschungen und macht nicht den Eindruck einer SLeigeisenzinke, wie ihn andere reliefartige Darstellungen ' mitunter erwecken könnten. Auch der Anblick des Brandjochs oder des Hafelekars drängt uns hier, im Gegensätze zu manch anderem geoplastischen Werke nicht zur Befürchtung, als müßten diese in Wirklichkeit nicht übersteilen Berge, beim nächsten Böllerschüsse aus den bisweilen furchtbar steil und schmächtig geratenen Hungerburgboden Herabstürzen. Gerade in der getreuen und vollständigen
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 29. Juli 1908, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8419-nutzung-des-tiroler-reliefs-zur-vorbereitung-von-wanderungen-in-1908).

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