Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
TIROLER IN KOSTAJNICA

Tiroler Einwanderer siedeln sich in Bosnien an der Unna an

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 9. Mai 1908 · Seite 1 · #Andere Länder
Ebenfalls in offener Landsgemeinde haben der Kanton Nidwalden und in geheimer Abstimmung der Kan¬ Tirol in Bosnien. Von Alice Czelechowski. Es Ware:: mehrere Jahre nach der österreichischen Okkupation Bosniens. Mn den Ufern der Grenzflüsse Save und Unna standen hüben und drüben noch die Ruinen der zerschossenen Dörfer, Wachthäuser und Kastelle. Unter den Bewohnern des okkupierten Landes war aber ein neuer Völkerfrühling angebrochen: Zufriedenheit und frohe Entfaltung aller Gaben und Kr äste. Tie türkischen Einwohner waren größtenteils geflohen. Nur Serben, Bosniaken und Kroaten bewohnten das Land, über dem reicher Segen a:: wogenden Kornfeldern, dunklen Wäldern und früchteschweren Weinbergen lag. Letztere freilich zuerst nur österreichischerseits, denn den mosle - ' mitischen Völkern verbietet ja der Glaube den Weingenuß. Da hatte Erzherzog Albrecht, des neuen, spärlich bewohnten Landes gedenkend, dort deutsche Kolonien gegründet, für solche, die in ihrer Väter Heimat keinen Platz mehr fanden. So kam eines Tages an die Ufer der Unna bei Kostajnica ein Trupp deutscher Ansiedler. Männer, Frauen und Kinder. Mit verwunderten, neugierigen Angen blickten sie in die neue Welt Krein, Pie ihnen Heimat werden sollte. Sie waren in Kastelruth am Fuße des sagenumwobenen Schlern daheim und jetzt mußten sie sich in Bosniens Gefilden zurechtfinden. Das uralte kroatische Kostajnica umgeben znM Teile noch mächtige Schutzmauern, zumal an der Wasserseite. War drüben auch kein Feind mehr zu fürchten, so schützten sie doch vor Überschwemmungsgefahr. Ans einer Insel im Fluße steht das festgefugte Schloß „ Rastel ". Noch aus der Zeit der Türkenkriege stammend, soll es mehrmals dem trutzigen Rebellen Emmerich Tököly zum Aufenthalt gedient haben. Jetzt ist es Militärspital und Kontumaz - Anstalt. Osterreichisch - Kostajnica ist nach abendländischem Stil erbaut; über die grauen Giebeldächer ragen die Turmspitzen der katholischen und griechischen Kirche empor. Auch die ernsten Mauern eines Franziskanerklosters erheben sich am östlichen Ende des StMchens. Die tirolrschen Einwanderer zogen aber durch das südlichste Stadttor über die Unnabrücke nach Bosnisch - Kostajniea.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 9. Mai 1908, S. 1, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8376-tiroler-einwanderer-siedeln-sich-in-bosnien-an-der-unna-an-1908).

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