Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
SIEBEN STUNDEN, DANN FEIERABEND

Innsbrucker Handelsangestellte fordern Gehilfenausschuß auf, für Siebenuhr-Ladenschluß einzutreten

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 9. November 1908 · Seite 4 · #Arbeitszeit
(Zur Siebenuhr - Ladenschluß - Bew e g u n g.) Es wird. uns geschrieben: Eine Versammlung von Innsbrucker Handelsangestellten verschiedener Geschäftszweige und Kategorien gelangte nach einem Referate des Herrn Klappholz und winsr kurzen Debatte über den gegenwärtigen Stand der Angelegenheit zu der Ansicht, daß die Wintersaison in den meisten Branchen die günstigste Zeit zur Einführung der SieLenuhr - Sperre sei, da zu dieser Jahreszeit der allgemein flaue Geschäftsgang und auch die frühere Erledigung der Nachmittagseinkäufe seitens der Kundenschaft die meisten Herren Prinzipale einem früheren Ladenschlüsse geneigter mache, und faßte nachstehende Entschließung: Die am 6. November im Saale zur „ Neuen Post " vom Zentralverein der kaufmännisch Angestellten Österreichs veranstaltete Handelsangestellten - Versannnlung gibt ihrer Verwunderung Ausdruck, daß seitens des Gehilsenausschusses, als der gesetzlich anerkannten Vertretung der Gehilfenschaft im. Handelsgewerbe in der Frage der Arbeitszeit - Regelung bis nun nichts unternommen wurde) nur der Verwirklichung dieser Forderung näher zu kommen, trotzdem die letzte GehiLfenversam ' mlung einen Beschluß faßte, demzufolge der Gehilfenausschuß im Einvernehmen mit den am Orte bestehenden Organisationen mit aller Kraft für die Einsührung des Siebenuhr - Ladenschlusses eintreten soll. Tie Versamwlung fordert daher deu Gehilfenausschuß des Handelsgremiums Innsbrucks mit allen: Nachdruck auf, das ihm seitens der Handelsangestellten entgegengebrachte Vertrauen auch zu rechtfertigen und die ihm übertragene Ausgabe pflichtgemäß zu erfüllen. Gleichzeitig erklärt die Versammlung nach wie vor an der Forderung nach Regelung der Arbeitszeit sestzuhal- Len und kein Mittel unversucht zu lassen, um dieser gerechten, von: Standpunkte der Hygiene, des Familienlebens, wie überhaupt vom Standpunkte der vitalsten Gerechtigkeit längst begründeten Forderung Geltung zu verschaffen.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 9. November 1908, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8483-innsbrucker-handelsangestellte-fordern-gehilfenausschuss-auf-fuer-1908).

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