Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
GASWERK MIT KLUGEN KUPPERN

Neues Gaswerk in Innsbruck zur Deckung des wachsenden Kochgasbedarfs

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 18. Dezember 1909 · Seite 7 · #Gaswerk
Das neue Gaswerk der Stadt Innsbruck. Das alte, von einer Augsburger Gesellschaft erbaute und von der Stadt Innsbruck 1904 in eigenen Betrieb übernommene Gaswerk alten Systems steht nun stille; es war für die Bedürfnisse der mit ungewöhnlicher Raschheit sich entwickelnden Landeshauptstadt zu klein geworden. Besonders der Verbrauch von Koch gas erfuhr eine sehr starke Zunahme, während das Leuchtgas infolge der Konkurrenz durch das elektrische. Licht keinen erhöhten Verbrauch aufweisen kann; er ist beim Leuchtgas ziemlich konstant geblieben. Die Folge davon war, daß der durchschnittliche Verkaufspreis des Gases seit 10 Jahren im Preise von 24 - 8 Heller auf 19 6 Heller für den Kubikmeter gesunken ist. Bei dem gegenwärtigen Konsum bedeutet jeder Hecker Minusertrag für den Kubikmeter eine Einbuße von 28. 000 Kronen. Dieser Umstand mußte natürlich bestimmend dafür sein, den nötig gewordenen Ausbau des Gaswerkes so billig als nur möglich durchzuführen, um „ jjje Bilanz nicht mit einer unverhältnismäßig hohen Zins und Amortisationsquote zu belasten. Auf diesen Umstand ist vornehmlich der Entschluß zurückzuführen, das neue! ® a £ ttferf der Stadt an das noch gut erhaltene cilte Steinkohlengaswerl und das fast neue Wassergaswerk anzuschließen. Der Unterschied der Kosten zwischen einem neuen Werke, das von der jetzigen Anlage entfernt errichtet worden wäre, und der heutigen neuen Anlage ist groß; heute belaufen sich die Kosten der städtischen Gasanstalt für die Erzeugung von einem Kubikmeter der Tagesproduktion auf 80 Kronen gegen 140 Kronen für ein entfernter liegendes Werk. Hiezu käme dann noch eine lange Speiserohrleitung mit 100. 000 Kronen HersteÄungskosten. Die Objekte des neuen Werkes sind so situiert, daß den Anrainern möglichst wenig Anlaß zu Beschwerden über dieses gegeben ist. Die O f e n a n l a g e nach dem System der Kammeröfen Küpper in Essen a. R. ist nahe dem SKlflusse errichtet. Sie besteht derzeit aus 4 Kammerösen; nächstes Jahr sollen noch zwei, andere Ofen dazugebaut werden. Die Küpper sichen Ofen stecken ein neues S y stie m der Gaserzeugung dar und unser Werk hat bis jetzt den Vorzug, das einzige dieser Art auf dem Kontinente zu sein, deshalb ist auch das Interesse begreistÄh, welches man ihm besonders in Fachkreisen entgegenbringt. Eine jede der mit Ziegelwerk verbauten horizontalen Kammern erhält eine Ladung von 3700 Kilogramm Steinkohle. Nach dem alten System waren 25 Retortenladungen — die Retorten im alten Werk wurden bekanntlich von zwei Männern bedient — bei durchlaufendem Tag und Nachtbetrieb bedient.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 18. Dezember 1909, S. 7, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8663-neues-gaswerk-in-innsbruck-zur-deckung-des-wachsenden-kochgasbedarfs-1909).

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