Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
KOMETENLIEDER MIT GOTTFRAGEN

Kometenfurcht und politische Wirren im Spiegel der Geschichte

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 12. April 1910 · Seite 3
Die Ursache vielen Übels sei der Artikel XIX des Staatsgrundgesetzes, der die Gleichberechtigung aller Nationen Österreichs gewährleiste und damit ein Chaos unserer sprachlichen Verhältnisse hervorgerufen habe, das zu den stärksten * Wirrsalen führen müsse, da der Wortlaut der Gesetze durch Bekannt ist auch, daß der geistliche Dichter Paul Gerhardt im Jahre 1609, als ein strohbündelförmiger Planet ganz Deutschland in nicht geringe Aufregungen versetzte, beängstigt zu reimen begann: Herr, was hast du iw! Sinn? Wo denkt dein Eifer hin? Von was für neuen Plagen Soll nns! der Himmel sagen? Was soll nns armen Leuten Der neue Stern bedeuten? Die Zeichen in der Höh' Erwecken Ach und Weh: Es hat in nächsten Jahren Die ganze Welt erfahren: Die brennenden Kometen Sind traurige Propheten. Nutzten doch auch Luther und andere mittelalterliche Sittenprediger solch eine günstige Gelegenheit weidlich aus, um bei verstockten Zeitgenossen „ heilsame Schrecken und Furcht vorder: Gerichten Gottes hervorzubringen. " Der eigentlich aus dem grauesten Altertum stammenden Kometenfurcht entsprechen auch die. abenteuerlichsten Beschreibungen und seltsamsten Abbildungen des berüchtigten Jrrsterns. In Hevels „ Cometographia " ist ein ums Jahr 1000 durch den weiten Himmelsraum schweifender Komet als drachenartige Figur mit Schlangenkopf und. blauen Füßen dargestellt, und dazu wird vermeldet, daß kurz vor seinem Erscheinen an derselben Stelle aus einer Öffnung des Himinels eine brennende Fackel mit langem blitzenin Schwänze herabgesallen sei.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 12. April 1910, S. 3, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8708-kometenfurcht-und-politische-wirren-im-spiegel-der-geschichte-1910).

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