Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
TRISTAN UND ISOLDE MIT GRENZÜBERSCHREITENDEN STIMMEN

Glanzvolle Abschlussaufführung der Monatsoper mit Wagner’s „Tristan und Isolde“

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 26. Mai 1909 · Seite 9
Theater und Musik. ( „ T r i sta n u n d Isold e. ") Mt einer für Innsbruck ganz besonders interessanten Neuheit Hat Direktor Häusler die von ihm geleitete diesjährige Monatsoper vorgestern mit Richard Wagners „ Tristan und Isolde " geschlossen. In seinem Mjusikdrama „ Tristan und Isolde " hatte Wagner den dichterischen Gedanken mit lebend digster Wahrheit und umnittelbarster Wirkung zum Ausdruck gebracht; mit ihm war ein Kunstwerk von unergründlicher Tiefe und unerschöpflich reichem Gehalt entstanden, dessen Zauber in tiefster Ergriffenheit dieser einzigartigen, hehren Schöpfung, der nichts Ähnliches annähernd an die Seite gestellt werden kann, sich offenbart. — Die vorgestrige Aufführung war ein Ereignis und bildete einen glanzvollen Abschluß der heurigen Monatsoper. Den Tristan sang Opernsänger A. Wallnöser aus Graz. Wallnöser, der den Tristan bereits über achtzigmale gesungen hat, war ein sehr wirksamer und erfolgreicher Vertreter seiner Partie, mag er auch stimmlich heute gerade nicht mehr zu den allerersten Vertretern dieser Partie gehören. Auch seine äußere Erscheinung hätte er etwas vorteilhafter gestc ^ en können. Seine Partnerin Frl. A. Gerstorfer vom Stadttheater in Nürnberg als Isolde bol eine vollendete Leistung, wie man sie sich nicht schöner und edler hätte wünschen können. Sie verfügt über eine reiche Skala von Ausdrucksmöglichkeiten von Empfindung. So zart und duftig, lote sie ihre Stimme in den lyrischen Stellen meistert, so gewaltig und groß ist sie im Effekt. Man braucht nur den „ Liebestod " von ihr zu hören, um zu erkennen, welche vollgültige Künstlerin wir in ihr zu hören Gelegenheit hatten. Ms eine nicht minder vollendete Künstlerin zeigte sich Hofopernsängerin H. Ulbrich von der kgl. Hiofoper in Manchen, die die Brarrgäne in jeder Beziehung mustergültig gab. Ludolf Bodmer als König Marke war wie immer vortrefflich. Aber aulch Fritz Kerzmann als Kürwenal hätte nicht besser sein könne::. Schauspielerisch und gesanglich bot er eine einwandfreie Leistung. In kleineren Partien waren vertreten: Melot von Benno Ziegler, ein Hirte von Oswald Stein, ein junger Seemann von Paul Hochheim und ein Steuermann von Willy Kaiser. Ein ganz besonderes Verdienst um die Aufführung hatte sich Kapellmeister Cornelius Kun erworben, der in dem Kunstwerke völlig aufging und unter dessen Musichtisor und anfeuernder Leitung das schwrcrige Werk in hollem Glanz und strahlender Schönheit erstand. Kapellmeister Kun hatte es vortrefflich verstanden, bde gewaltigen Steigerungen prachtvoll herauszuarbeiten; der Zug ins Große, den er den: Werke zu geben verstaicken, ließen dessen monumentale Schönheit in richtiger Beleuchtung erscheinen. Das Orchester hatte die schwierige und anstrengende Aufgabe, die ihm dieses Wert zum Schlüsse der Saison noch zu bewältigen gab, mit großem Eifer und aufmerksamem Eingehen aus die Absichten des Dirigenten gelöst. 6. 8. (Monat so per 1909.) Direktor Häusler, der nunmehr zum dritten male im hiesigen Stadttheater mit seinen wohlgeschulten Kräften ein einmonatliches Gastspiel gegeben hatte, kann auch in dieser Saison aus eine erfolgreiche und künstlerisch durchaus gelungene Spielzeit zurückblikken.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 26. Mai 1909, S. 9, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8579-glanzvolle-abschlussauffuehrung-der-monatsoper-mit-wagner-s-tristan-1909).

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