Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
WALDÜRE MIT WOHLKLANG UND WUT

Gute Aufführung der „Walküre“ in Innsbruck mit lobenswerter musikalischer und schauspielerischer Leistung

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 14. Mai 1908 · Seite 7
Die gestrige Ausführung der „ Walküre " hinterließ im allgemeinen einen recht günstigen Eindruck, der vornehmlich dem Kapellmeister Rudolf Groß zu danken ist, Er brachte mit dem Orchester, das sich sehr wacker hielt, manche feine Klangschattierung heraus. Eine Verstärkung des Streichkörpers, der oft gar zu dünn klang, besonders beim Feuerzauber, wäre wohl sehr zu wünschen gewesen. Den Siegmünd sang Ernst Brandenberg er. Er vermochte, besonders im ersten Akte, wohl nicht den ganzen poetischen Zauber, den Wagner über diese Gestalt ausgegossen, so recht zur Geltung zu bringen und blieb manche Feinheit schuldig. So hätte besonders das „ Winterstürme wichen dem Wonnemond " eine viel feinere Wiedergabe vertragen. Besser war er im zweiten Akt, der seiner Natur mehr liegt. Eine gute Leistung bot Elisabeth Fabry als. Sieglinde, die auch schauspielerisch den Absichten Wagners gerecht wurde. Ausgezeichnet war in jeder Beziehung Ludolf Bodmer als Hunding, der diese Partie sehr erfolgreich durchführte. Auch Käthe St einegg - Röder war als Brünhilde vollauf zufriedenstellend. Hermann Morny als Wotan ging mitunter zu weit in seinen Wutausbrüchen, die ihm stimmlich mißlangen, war aber sonst befriedigend. Hedwig Geiger gab die Fricka mit außerordentlich gutem Erfolge. Als Walküren hatten sich mehrere Solodamen verdient gemacht. Direktor Karl Häusler hatte für eille prächtige Ausstattung gesorgt. Die Vorstellung war nahezu ausverkauft. 0. 8.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 14. Mai 1908, S. 7, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8379-gute-auffuehrung-der-walkuere-in-innsbruck-mit-lobenswerter-1908).

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