Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
12 PROZENT METALL AUS DEM „TAUBEN GESTEIN“

Wiedereröffnung des Dirschentritter Bergwerkes mit moderner Gesteinsausnutzung

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 30. Jänner 1911 · Seite 7 · #Erzlagerstätten
(Das Erzbergwerk am D irschentritt.) Wie wir seinerzeit mitteilten, hat eine reichsdeusche Bergwerksgesellschaft das alte, aufgelassene Bergwerk am Dirschentritt bei Nässereith wieder in Betrieb gesetzt. Eine Untersuchung des zur Zeit der Blüte des alten Bergbaues aus den Stollen geworfenen sog. „tauben Gesteins " ergab, daß aus demselben unter Anwendung der modernen technischen Hilfsmittel noch 12 Prozent Metall ( Galmei, Blei, Silber) erzielt wird. Ta einerseits eine Ausnützung des Gesteins schon bei einer Ergiebigkeit von 5 Prozent rentabel sein soll, anderseits die Halden des „ tauben Gesteins" iu die Millionen Donnen an Material umfassen und uran die Aussindnng neuen erzhaltigen Gesteins sicher erhofft, wird das Unternehmen aller Voraussicht florieren und für Nassereith eine vielverheißjende Zukunft bringen. Über die Arbeiten im Bergwerke berichtet die „ Tir. Landztg. ": Die schon im Sommer begonnenen Bauten, ausgeführt von der Firma Pfeiffer u. Co., sind rasch emporgediehen. Es wurden an die Hunderte Arbeiter eingestellt und für hiesige Verhältnisse unglaublich hohe Löhne gezahlt, sodaß der Arbeilsfortschritt ganz begreiflich erscheint. Am Eingang des Gafleintales ist ein Kvmplex von Baulichkeiten entstanden, in denen die Aufbereitung oder Ausnützung des Gesteins erfolgen soll. Oben am Dirschentritt wird ein Arbeiterhaus errichtet, in welchem man für 80 Bergknappen und Arbeiter Unterkunft schafft. Das Gestein wird mittels ein ^ r elektrisch betriebenen Drahtseilbahn vom Dirschentritt zur Aufbereitung herabgebracht. Das Elektrizitätswerk wurde am Kriegerbach, hinter Fernstein, errichtet, gerade unterhalb der bekannten steinernen Brücke an der Fernstraße, welche im Vorjahre durch das Hochwasser so arg bedroht war. Man spricht davon, daß 50 Pferdekräste ausgenützt werden. Tie Leitung wird teils als Mastenleitung, teils als Kabel vom Kriegerbach heraus geführt. Im kommenden Mai oder Juni sollen die Bauarbeiten, soweit gediehen sein, daß der Bergwerksbetrieb begonnen werden kann. Zur Zeit werden die Baumaterialien für das Arbeiterhaus zum Dirschentritt hinaufgeliefert. Von Buben werden mit der Rodel die Zementsackeln hinaufgebracht. Ein Bub ladet gewöhnlich zwei Säckeln und ist meist nachmittags um 2 bis 3 Uhr voll seinem Transport zurück. Dafür erhält er 3 Kronen. Solche Verdienste tun der armen Nassereither Bevölkerung wohl; es setzen deshalb viele aus den Betrieb des Berohgues große Hoffnungen.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 30. Jänner 1911, S. 7, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8841-wiedereroeffnung-des-dirschentritter-bergwerkes-mit-moderner-1911).

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