Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
AUSBRUCH UND BLUTIGE STRAFE

Vor Gericht: Die beiden Gefangenen Steininger und Klotz nach ihrem spektakulären Ausbruch aus dem Innsbrucker Gefängnis

Gerichtszeitung. t * ® t e beiden Ausbrecher aus demJnnsbrucker Gefangenhause vor Gericht.) Vorgestern nachmittags fand, wie schon kurz berichtet, vor dem Innsbrucker Landcsgerichte die HauptverhandhaMung gegen den in der letzten Schwurgerichtssession wegen Verbrechens des Raubes zu 3Vs Jahren schweren Kerkers verurteilten Johann Steininger und den Untersuchungshäftling Anton Klotz statt. Tie Leiden waren am 12. März aus dem hiesigen Gefangenhause unter Umständen entsprungen, welche weit über die Grenzen unseres Landes hinaus Aufsehen erregten. Tie beiden Angeklagten wurden in Anbetracht ihrer Gefährlichkeit dem Gerichte gefesselt vvrgeführt und ihnen erst im Gerichtssaale die Handschellen abgenommen. Während der ganzen Verhandlung wurden sie von zwei ' Gefangenaufsehern und zwei Gendarmen mit aufgepflanztem Bajonett bewacht. Tie Verhandlung hatte sich mit zwei Anklagen zu beschäftigen. Tie erste betrifft die mit dem Ausbruche aus dem Gefangenhause in Zusammenhang stehenden Delikte, die zwecke enthielt die Straffälle, wegen derer sich Klotz in Untersuchungshaft befand. Tie erste Anklage schildert die Vorgänge während der Flucht der Angeklagten in gleichem Sinne, wie schon seinerzeit von den Blättern berichtet wurde. Bekanntlich wurde dann Klotz in der Kaiser Josefstraße und Steininger in der Völserstraße wieder dürgfeft gemacht. Ta der Überfall auf den Aufleher offenbar in der Absicht geschah, dessen Dienstesvollziehung zu vereiteln, so lautete die Anllage auf Verbrechen der öffentlichen Gewalttätigkeit und auf Verbrechen der schweren Körperbeschädigung. Tie Verletzungen des verwundeten Auffehers bestehen in drei Platzwunden am Kopfe. Ein langes Register ist es aber noch, was dem Angeklagten Klotz in der zweiten Anklage zur Last gelegt wird. Erst aus einer fünfjährigen Kerkerstrafe entlassen, zu der Klotz vom Schwurgerichte Innsbruck seinerzeit wegen Einbruchsdiebstahles verurteilt worden war, setzte er bald sein verbrecherisches Treiben fort. Zuerst wendete er sich nach Innsbruck, wo er bei Baumeister Hüter Arbeit fand. Allein lange hielt er es dort nicht aus. Eines Tages verschwand er plötzlich, ohne jemand etwas zu sagen. Nun traf er nach einiger Zeit einen Mann namens Tiefenbacher, den er in Süden kennen gelernt hatte. Tiefenbacher, der auch ziemlich einiges auf dem Kerbholze hat, war Polizeispitzel geworden. Ms solcher stellte er sich die Aufgabe, Klotz zu überführen und ' sich dadurch eine Prämie zu verdienen.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 28. April 1911, S. 7, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8880-vor-gericht-die-beiden-gefangenen-steininger-und-klotz-nach-ihrem-1911).

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