Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
DREIMAL ERWEITERUNG UND EINE KAPPELLE ZUR SEGNUNG

Einsegnung des neu erweiterten Gottesackers in Ansehung der allgemeinen Besprechung

Der Stadt - Gottesacker ist in neuester Zeit wieder zum Gegenstände der allgemeinen Besprechung geworden, besonders seit 14. d. Mts., wo die Einsegnung des zur einstweiligen Vergrößerung gewidmeten Grundstückes feierlich vorgenommen wurden. Es dürfte daher gerade jetzt — in dieser so faschingstollen — und nebenbei so geldarmen Zeit nicht unpassend sein, als heilsames „Nemento mori! " einen Rückblick in die Vergangenheit dieses unseres allerletzten Zieles auf dieser Innsbrucker Welt — zu werfen. Bis zur Regierungsperiode des glorreichen Kaisers Marimilian I. wurden die Tobten auf dem rings um die Pfarrkirche liegenden Platze ( die Vornehmen und Reichen wohl auch in der Kirche selbst) beerdigt. Als aber wegen zunehmender Bevölkerung die Kirche erweitert und ein Theil des daran grenzenden Begräbnißplatzes behufs der Vergrößerung der landesherrlichen Burg (wahrscheinlich 1490 — 94) abgetreten werden mußte, so wurde das hinter dem Stadtspitale gelegene Feld zum neuen Friedhofe gewählt. Derselbe wurde zum erstenmale vom Weihbischofe Conrad von Briren in der letzten Hälfte des 15. Jahrhunderts — und nach einiger Erweiterung im Jahre 1510 zum zweitenmale eingeweiht. Mit päpstlicher Erlaubniß brachte man geweihte Erde vom campo santo zu Rom in den neuen Innsbrucker Kirchhof, und wurde solcher vom dem Papste mit denselben Vorrechten und Ablässen begnadet, welche der römische Friedhof genießt. Der Apotheker Mathias Rumler baute in der Mitte des Gottesackers die St. Michaelskapelle und über dieselbe die ( dermal nur als Aufbewahrungslokale für Kirchengeräthe benützte) St. Anna - Kapelle. Ob die auch jetzt noch gebräuchliche Benennung „ Veitskirchlein " von der am Altäre der St. Michaelskapelle aufgestellten aus Holz geschnitzten Darstellung des hl. Martirers Vitus — oder wie einige Geschichtsschreiber wollen — daher abstamme, daß man vor Alters die mit der Krankheit des Veitstanzes Behafteten in dieser Kapelle verwahrt und behandelt habe, darüber läßt sich nichts Bestimmtes angeben. Die alten Arkaden wurden im Jabre 1591 erbaut. Unter der Regierung des Kaisers Josef wurde eine zweite Vergrößerung gegen die Südseite vorgenommen, dagegen aber jener Theil, der unmittelbar hinter dem Spitalgebäude lag, aufgelassen, und in der Folge als Erholungsgarten für Reconvalescenten benützt. Die heuer erfolgte dritte Vergrößerung dürfte dermal eigentlich nur zur Hälfte erfolgt sein, da das Vorhaben besteht, den nördlich an den neuen Friedhofstheil gelegenen Grund ebenfalls zur Erweiterung
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 21. Februar 1854, S. 6, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/9-einsegnung-des-neu-erweiterten-gottesackers-in-ansehung-der-1854).

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