Die Meinhardsstraße. An der südöstlichen Ecke der Museumsstraße steht seit Kurzem eine Tafel auf hohem Pfahle errichtet, mit der Bezeichnung »Meinhardsstraße ". Nun mag fich schon Mancher gedacht haben, ob denn nicht dieser neugeschöpfte Straßennahme unrichtig geschrieben sei, und dieser Theil Jnnsbruck ' s — von der Museumsstraße bis zum katholischen Vereinsgebäude — nicht etwa Reinhardsstraße heißen solle: in dankbarer Erinnerung an die großmüthigen Vermächtnisse des im vergangenen Jahre verstorbenen Freiherrn v. Reinhard, dessen großes, der Stadt vermachtes Haus den Schlußpunkt der Bürgerstraße bildet? Allerdings ist nun die obige Straßenbezeichnung ein Akt der Dankbarkeit, aber der Name » Meinhardsstraße" dennoch der richtige; denn diese schuldige Dankbarkeit des dermaligen Innsbruck hat ihren Grund in der Erinnerung an eine der wohlthätigsten städtischen Einrichtungen unserer Stadt, die jedoch nicht von gestern her datirt, sondern bis ins Jahr 1292 in Jnnsbruck ' s Vergangenheit hinaufreicht. Als nämlich Herzog Albrecht von Oesterreich im Jahre 1292 zu Innsbruck mit seinem Schwiegervater den tirolischen Landesfürsten Meinhard II. ( aus dem Hause Görz) eine Zusammenkunft hielt, um von demselben Hilfe gegen die mißvergnügten Unterthanen in Oesterreich, Steiermark und Kärnten zu erbitten, da brach in der Stadt unvermuthet Feuer aus, und legte fast das ganze Innsbruck in Asche, welches Unglück hauptsächlich darum nicht abzuwenden war, weil außer dem tiefliegenden Jnnflusse keinerlei Wasser die Straßen der Stadt durchstoß und zur Brandlöschung hätte benützt werden können. Um diesen großen Uebelständen abzuhelfen und ähnlichem Unglücke für alle Zukunft vorzubeugen, verordnete Meinhard mit Einverständniß des Abtes von Wilten den Bau eines hinreichend großen Wasserkanals, welcher vom Sillfalle zu Wilten an nahe an dem Stadtgebiethe vorüberziehend die Straßen Jnnsbruck ' s mittels kleinerer davon abgeleiteter Kanäle ( hier Ritschen genannt) mit Wasser versorgte. Daher schreibt sich die Entstehung der kleinen Sill, und in dankbarer Erinnerung an diese seit länger als einem halben Jahrtausende von Innsbrucks Bevölkerung genossene gemeinnützige Einrichtung des damaligen Landesvaters — die monumentale Straßenbezeichnung: Meinhardsstraße.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 17. Februar 1854, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8-benennung-der-meinhardsstrasse-zu-ehren-des-landesvaters-und-seines-1854).
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