in Innsbruck wies eine lOprozenüge Wässerung der Milch nach. Anna Schneider bestritt, irgendwelche Verfälschung der Milch vorgenommen zu haben und sprach vielmehr den Verdacht aus, daß Johann Zörleig, der täglich etwa 16 Liter Milch brachte, die mit der Milch der Schneider zusammengegossen und in die Stadtgeführt wurde, die Wässerung der Milch vorgenommen habe. Anna Schneider ruhte nicht und brachte am 5. April eine angeblich dem Gefäße Zörleigs entnommene Milchprobe selbst nach Innsbruck. Die Untersuchung wies tatsächlich einen 30perzentigen Wasserzusatz nach. Mit dieser Konstctierung noch licht zufrieden, veranlaßte die Schneider, daß am 6. April auf ihre Kosten ein Organ der Untersuchungsanstalt nach Völs geschickt wurde, das in der Wohnung der Schneider wartete, bis Zörleig mit seinen Milchkannen erschien. In dessen Gegenwart wurde nun abermals eine Milchprobe entnommen, die sogar eine 35perzentige Wässerung zeigte. Obwohl nun Zörleig jede Schuld leugnete und die Wässerung der Milch auf Kartoffelfütterung der Kühe zurückführen wollte, wurde er vorn Bezirksgerichte in Innsbruck In sechs Tagen Arrests und zur Tragung der Kosten verurteilt. Anna Schneider dagegen wurde, weil die Verfälschung der Mischmilch so geringfügig war, daß sie ohne Milchwage dieselbe gar nicht erkennen konnte, auch von der Anklage wegen Fahrlässigkeit freigesprochen. Der ftaatsanwalLschaftliche Funktionär ergriff aber bezüglich beider Urteile die Berufung und das Landes als Berufungsgericht Innsbruck gab ihr in der gestern durchgeführten Berufungsverhandlung statt. Die Strafe Zörleigs wurde auf zehn Tage Arrests erhöht, Anna Schneider aber wurde gleichfalls schuldig erkannt, weil sie nach ihrem eigenen Geständnisse von verschiedenen Seiten vor den „ Wasserkünsten " Zörleigs gewarnt, trotzdem sorglos die gewässerte Milch durch lange Zeit bezogen und in die Stadt abgeliefert hatte. Sie wurde zu einer Geldstrafe von 40 Kronen verurteilt und entfernte sich dankend, daß die Geschichte nicht schlimmer abgegangen war, ans dem Verhandlungssaale. — Gleichfalls am 13. März wurden aus den Milchkannen des Milchführers Josef A n g e r e r in Völs Milchproben entnommen, die eine 7 bis 8prozentige Wässerung ergaben. Die Milch stammte aus der Ökonomie des Alois O st e r m a n n in Völs und wurde in dessen Interesse an die städtischen Kundschaften vertrieben. Beiden war absichtliche Verfälschung dieses wichtigen Nahrungsmittels zur Last gelegt worden, obwohl sie den Wassergehalt aus schlechter Fütterung und Krankheit des Viehes zu erklären suchten. Das Bezirksgericht hatte jedoch beide freigesprochen, weil die Wässerung sehr geringfügig war und nach dem Gutachten des Sachverständigen tatsächlich auch durch schlechte Fütterung verursacht sein konnte. Das Landes als Berufungsgericht Innsbruck mußte mti Rücksicht auf dieses Gutachten die vom stantsanwältschaftlichen Funktionär ergriffene Berufung abweisen und das erstriüterlichr Urteil bestätigen.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 13. Juli 1912, S. 8, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/9064-verurtheilung-zweier-milchverfaelscher-und-freisprechung-anderer-in-1912).
Karl der Große. Die Errichtung von Haushaltuugsschulen in Tirol. In der heutigen Sitzung des Landtages wird Landesausschuß Baron Sternbach einerr Bericht unb Antrag des Landesausschusses vertreten, beut lvir folgendes en …
(Bleifunde.) Wie man uns aus Hötting meldet, hat dort ein junger Martn aus Höttiug in der Gegend des Hechenberg es, also auf ärarischem Grunde, bleihältiges Gestein aufgedeckt. In Hötting ist man bereits daran, sich um d …
(Kahl sch läge.) Im Volderbad geht das Gerücht, daß die t k. Forstorgane die Absicht haben, ander Berglehne gegenüber dem Volderbade abermals einen größeren Kahlschlag zu machen. Schon wiederholt wurden auf privatem Wege …
(Die bekannte Kur und Kinde rmilchanstatt „ Leutascherhof ") in Völs bei Innsbruck hat vielseitigem Verlangen entsprechend in Innsbruck, Anichstraße 17, eine Milchtrinkhalle errichtet, woselbst Voll -, Kinderund Joghurt …
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