(Nachdruck verboten.), Dir Höttinger Vrerrie. Bon I. Blaaö. Im Norden der Stadt Innsbruck ist dem Hochgebirge eine Stufe, die sogenannte Hunger- Durgterrasse, vorgelagert. Der Sockel derselben chefteht aus denselben Gesteinen, wie das Hochgebirge, der Oberbau aber wird von einer Mächtigen, konglomerierten Schuttmasse, der ^Nagelsluh " gebildet, welche in mehreren grö- Mren, zum Teil von der Stadt aus gut sichtbaren Steinbrüchen ( Mayr ' scher Steinbruch) aufgeschlossen ist. - - Durch dieses Gestein hat die Gegend von .Innsbruck einen geologischen Ruf erlangt, von !dem auch die Oeffentlichkeit Kenntnis! genommen hat. Wie verlautet, ist ein Spazierweg auf die Terrasse geplant, durch welchen auch die jetzt schwer erreichbaren Aufschlüsse leichter zugänglich gemacht werden sollen. Hiedurch mag die vorliegende Notiz über geplante Auffchlußarbeiten in diesem von den Weologen „Höttinger Br ec eie " benannten Nestein gerechtfertigt sein, r Zu den wichtigsten Problemen der Glazialgeologie gehört die Frage, ob die diluviale Ber gletscherung ein einheitliches Phänomen ge- Msen sei, oder pb sich die Bereisung größerer Gebiete der Erde in Mehreren Phasen wiederholt habe. Im ersteren Falle könnte man nur von einer, wenn auch in Schwankungen verkaufenden Eiszeit sprechen, im letzteren wären mehrere Vergletscherungen, getrennt von sogenannten Jnterglazialzeiten mit mildem Klima anzunehmen. Beide Ansichten werden mit großem Eifer verteidigt und dabei spielt nun die Höttinger Breccie eine äußerst wichtige, fast entscheidende Rolle. Wie erwähnt, ist die Breccie ein verfestigter Schutt, ein Schutt des benachbarten Hochgebirges, der teils über das Gehänge deckenförmig ausgebreitet ist, teils murenartig durch! die .Gräben und Furchen des Hochgebirges an dessen Fuß und in das Tal herabgeführt wurde. Nach der Verfestigung des Schuttes wurde er stellenweise durch! fließendes Wasser wieder entfernt; die beiden Gräben, der Höttinger und der Mühlauer Graben, sowie die Steilwände der Breccie gegen das Jnntal herab sind solche Erosionsgebiete. Bildung, Verfestigung und Abtragung der Breccie muß vor der im Jnntal nachweisbaren letzten Vergletscherung stattgefunden haben, denn die Ablagerungen dieser Vergletscherung liegen teils über der Breccie ( Mo - ränen auf der Terrasse), teils sind sie an den Erosionsböschungen angelagert, wie z. B. die Sandhügel, welche die Hungerburgbahn durchschneide tS ' • Hienach ist die Breccie sicher älter als diese Vergletscherung. Während nun die einen Geologen, welche nur eine Eiszeit annehmen, behaupten, die Breccie sei — obiger Lagerung entsprechend — * praeglazial, glauben andere und unter diesen gerade diejenigen, welchie sich eingehend mit den Lagerungsverhältnissen und der Verbreitung der Breccie beschäftigt haben, Beweise dafür zu haben, daß auch! vor Ablagerung der Breccie das Jnntal und somit die Alpen, vereist gewesen, daß also die Breccie int er glazial sei. Dabei ist aus einem sofort anzuführenden Grunde die Möglichkeit ausgeschlossen, daß es sich dabei nur um eine geringfügige Schwankung im Eisstand, etwa nur um einen Rückzug der Vereisung im Jnntal bis in die Gegend von Innsbruck handle, wahrend dem die Breccie entstanden sein könne.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 27. März 1913, S. 2, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/9236-geologische-bedeutung-der-hoettinger-breccie-in-der-eiszeitdebatte-1913).
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