Der Schnellzug, in dem (Nachdruck ver stea.) „Brennende Berge " in Tirol. Von Ing. Iss er. Schon wiederholt brachten Zeitungsberichte Nachrichten über Berg und Erdbrände und wurde erst jüngst von solchen Bränden in Thüringen und Ungarn berichtet, j Stets hängen solche Brände mit dein Bor-, kommen brennbarer Gesteine zusammen, die sich lauf natürliche Weise entzündet haben. Auch in Tirol kennt man einen „ brennenbeit Berg " aus alter Zeit. Es ist dies der sogenannte „ Pölfen " nächst Häring bei Kufstein, von dem schon „ Georg Rösch von ' Gerold - Ahausen" sin seinen: bekannten „ Tiroler Landoefm " ( 1558) Unter anderm erzählt: „Bey Kopfstayn ayn Perg prinnen tuet, An: Belchn benannt, on sonder Gluet, Gypt Kalch, darff kayner fernern Huet! " Wir haben es hier mit einem Kvhlenbmnd zu tun, entstanden schon vor mehr als 450 Jahren durch natürliche Entzündung des an die i Erdoberfläche tretenden Häringer Kvhlenflötzes. ( Ausbiß). Dieses Braunkohlenslötz, der alpinen Eocärchormation ( Numilitenzone) angehörend, liegt in ^ emen obersten Partien auf Triaskalk und wird von tomgbituminöfen Kalk überdeM worauf sehr mächtige Mergelschieser gelagert sind. Die Kalkdecke des Flötzes ist vielfach sehr zerklüftet und zerrissen, so daß atmosphärilische Wässer leicht eindringen und zur Kohle gelangen können. Nun ist die Häringer Kohle bekanntlich sehr schwefelhaltig ( 4 bis 5 Prozent) und von Schwefelkies durchsetzt, welcher sich bei Hinzutritt von Wasser leicht Zersetzt und verwittert und hiebei so viel Wärme abgibt, daß sich dann die umgebende Kohle von selbst entzündet. Der hiedurch entstehende Brand erhält durch die Gesteinsklüfte hinreichende Luftzufuhr, so daß der einmal entstandene Brand sich unterirdisch allmählich leicht ausbreiten und fortdauern kann. Tatsächlich befindet sich noch heute ein sehr beträchtlicher Teil des Häringer Kohlenflötzes in Brand welcher von dem in Abbau befindlichen Grubenbau streng abgeschlossen werden muß. Durch andere Gesteinsspalten und Klüfte steigen vom Brandftlde heiße Gase und Dünste nach oben und erwärmten das überlagernde Erdreichan der Oberfläche in früherer Zeit derart, daß an jenen Stellen kein Schnee liegen blieb und selbst zur kältesten Winterszeit, wenn die ganze Umgebung unter tiefer Schneedecke lag, Gemüsebau betrieben werden konnte. In früheren Jahrhunderten wurde die wärme Bodenbeschasfenheit über dem Wandfelde tatsächlich für Gemüsebau ausgenutzt, und wir wissen, daß die erzherzogliche Hofküche zu Innsbruck regelmäßig zur Winterszeit aus den Gärten zu Häring köstliches frisches Gemüse bezog! Heute liegt das Brandseld bereits in einer solchen Tiefe, daß die Oberflächen - Temperatur kaum merklich mehr davon beeinflußt
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 6. Februar 1913, S. 2, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/9195-brennender-berg-bei-kufstein-unterirdischer-kohlenbrand-seit-ueber-1913).
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