Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
100 JAHRE VERMESSENGSFEHLER ENTDECKT

Wiederaufnahme der Landesvermessung in Tirol ergeben schwerwiegende Rechnungsfehler aus dem Jahre 1851

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 1. April 1913 · Seite 6 · #Kartographie
(Wiederaufnahme der Landesvermessnngsarbeiten.) Zwischen der Arbeiterbäckerei und dem May rächen Ziegelofen, Krapp an der Reichsstraße ' nach Hall steht eine mannshohe Steinpyramide, deren Zweck wohl den meisten bekannt sein dürfte; es ist einer der zur Landes und Reichsvermessung nötigen Fixpunkte. Der zweite trigonometrische Punkt zur Schaffung der Basis, um die. - Vermessung vornehmen zp können, befindet sich westlich von Hall und der dritte ist auf denk Plnmeskopfe. Die ganze Reichsvermessnng beruht auf vier Basen; eine ( es find ebenfalls drei solche massive Fixpunkte) wurde 1673 bei Wiener Neustadt errichtet, die zweite befindet sich seit 1806 bei Wels, die dritte seit 1818 in der Nähe von Radautz und die vierte ist die obgenannte in Tirol, Mischen Hall und Innsbruck, welche 1851 errichtet wurde. Bei Messungen, die in der letzten Zeit anläßlich größerer Grundaktioitett in der Hallerau nötig waren, stellte sich die auffehenerregende Tatsache heraus, daß beim Abschlüsse der Vermessung im Jahre 1851 Ir rtümer unterlaufen waren. So geringfügig die Rechnungsfehler auch scheinen, so dürften die Folgen doch ziemlich große sein und in Anbetracht der territorialen Lage von Innsbruck und seiner Umgebung können die Veränderungen, welche sich nach der Korrektur ergeben, sogar von sehr weittragender Bedeutung sein. Die Länge der Vermessnngslinie Triangel Mühlau —Hall — Plumeskopf soll nach der Messung im Jahre 1851 5671 - 215 Meter betragen. Diese Berechnung soll aber zu niedrig genommen sein und überdies — infolge des Irrtums — erhält das Triangulierungsnetz eine Drehung gegen Nordwesten. Nach der oberflächlichen/nicht detaillierten Berechnung hat dieser Irrtum erstens zur Folge, daß alle Grundstücke zu groß ausgemessen wurden. Da nämlich die Vermessnngslinie im Dreieck ausgedehUt wird, müssen die Grundstücke außerhalb desselben eine Einengung erfahren. Aber noch größere Folgen, abgesehen von der geradezu umwälzenden Veränderung im Grundbuche und in der Katastralvermessnng überhaupt, hat diese Angelegenheit in administrativer Hinsicht.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 1. April 1913, S. 6, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/9242-wiederaufnahme-der-landesvermessung-in-tirol-ergeben-schwerwiegende-1913).

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