Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
IDEALIST OHNE GEWINNEN KÖNNEN

Tod des Künstlers Karl Habermann in Capri nach langem Leiden

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 24. Mai 1913 · Seite 7 · #Persönlichkeiten
(Karl Habermann ch.) Aus Capri kam gestern die kurze Nachricht vom Tode eines Mannes, dessen Name in stürmischen Zeiten in Aller Munde war, der viel befehdet wurde, und dessen aufrechtem Wesen doch auch der Gegner Achtung zollen mußte, Karl Habermann ist in der Villa Nubina auf Capri in der Nacht vom 19. auf den 20. Mai um dreiviertel 12 Uhr gestorben. Ein schweres Kehl kopsleiden, das ihn schon seit mehr als Jahresfrist der Stimme beraubte, das ihm in letzert Zeit auch jede Nahrungsaufnahme zur Qual machte, und das er wahrhaft heldenmütig ertrug, hat schließlich den Sieg über seine große Lebensenergie gewonnen. In Wien geboren, kam Habermann als Student nach Innsbruck, und die Schönheit Tirols schlug auch ihn, wie so viele, so ganz in Bann, daß. er nicht mehr loskam. Einen neuen Geistesfrühling für dieses Land herbeizuführen, diesem stolzen Gedanken weihte er sich mit Leib und Seele, dafür opferte er alles, was er hatte. Jeder erinnert sich der Gründung des „ Schwer ", der künstlerisch, und mit Feuer und Schwung geleitet war, so lange Karl Habermann ihn in Händen hatte. Manches Talent hat er entdeckt, und hat alle, die damals in Innsbruck sich um das Greisenhaupt des alten Richler scharten, zusammengehalten, und das Schassen jedes Einzelnen hatte Nutzen von seiner Anregung. Heftige Kämpfe hat er durchgefochiten, mit den weltlichen, und auch mit den kirchlichen Behörden gab es schwere Konflikte; an all dem soll angesichts des Todesfriedens nicht gerührt werden. Heute soll nur dem opfermutigen Idealisten, dem Künstler Habermann ein Wort der Erinnerung geweiht sein. Denn ein Künstler war er in seiner ganzen Wesenheit. Das heilige Feuer der Begeisterung für alles Schöne und Edle brannte in ihm, und er rang nach Ansdruck für das, was er so tief fühlte, in seinem Leben und in seinem Tun. Es ist kein Kleines, wenn ein Mann in reifen Jahren, um den so viel zusammengebrochen ist, entschlossen ein '? s beginnt. In Jena bildete sich Haberroamt in rastloser Arbeit für die künstlerische Photographie aus, und an der Seite einer Gattin, der es leider nur mehr beschieden war, den Todkranken zu pflegen, schuf er in Capri herrliche Bilder der verschwiegenen Schönheiten der Insel für die Hände der fremden Besucher. Briefe, die er von dort, meist in schlaflosen Nächten, an seine Freunde schrieb, sind vielfach wirkliche Meisterwerke der Schilderung, und manches Gedicht, das er einflocht, zeugt davon, wie das hÄlige Feuer den armen Körper noch, immer durchglühte.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 24. Mai 1913, S. 7, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/9296-tod-des-kuenstlers-karl-habermann-in-capri-nach-langem-leiden-1913).

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