Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
MOOS ALS ERSTE HILFE

Rettungsübung in Leutasch mit Erste-Hilfe-Vorführungen und Beteiligung mehrerer Rettungsabteilungen

Sorte 18. Nr. 134. Innsbrucker Nachrichten Samstag den 14. Juni 1913. Gepräge gaben. Bis 10 Uhr wurden van der Rettungsalt. ilung Innsbruck volkstümliche Spicke durchgeführt und auch vre von Leutasch und Seeselb setzte darin wacker ein. Ans diese Weise wurde ein frohes Beisammensein ber ' vorzüglichem Trank und Speise hergesteNt. Nicht wenig trug dazu auch die stramme Seeselder Musik bei, mit der ein sangeskundiges Quartett unter Leitung Neßlers abwechselte. Chefarzt Dr. Tschammler und Dr. Liebt begrüßten alle erschienenen Gäste, worunter sich auch die Rettungsabteilung von Mutters und jene von Mittenwald mit dem Altbürgermeister Bader befand. Um 10 Uhr wurde mit vier Hebung in erster Hilfeleistung begonnen, indem einzelne Leute mit Zetteln, auf denen die Art der Verletzung stand, im Walde verteilt wurden, und die Rotten der Innsbrucker und Leutascher freiw. Rettungsabteilung _ diese dann aufzusuchen und ihnen Hilfe zu leisten hatten. Es begann ein lebhaftes Treiben, und gar oft konnte man sehen, wie eine Abteilung einen „ Verletzten " fand und ihm kunstgerechte Hilfe mit Waldmoos, Baumrinden und biegsamen Testen als „ Verbandzeug " zuteil ' werden ließ, während andere sich in der Verfertigung verschiedener Tragbahren aus Baumstämmen, Führerseilen usw. übten. Hier hatte ein Baumstamm einem Mann das Becken gebrochen, da hatte sich ein Holzfäller mit der Hacke ins Bein getroffen und eine Schlagader verletzt, während dort ein Butz über einen gebrochenen Fuß klagte, weil er ein „ Oacherle Nest " ausnehmen wollte und dabei vom Baum gepurzelt war. Schädelverletzungen, Armbrüche — kurz, lauter Dinge, welche ortsgemäß passieren konnten — wurden vom Chefarzt an der Waldlichtung vermerkt und die „ Alpine " brachte einen Schwerverletzten mit verschiedenartigsten Verbänden auf einer musterhaften Führertragbahre, welche von den Leutascher Bergführern aus Waldmaterial in praktischer Weise zusammengestellt worden war. Chefarzt Dr. Tschammler besprach die verschiedenen Arten, der Verletzungen und Verbünde. Auch der Art der Hilfsmittel wurde in praktischer Weise Erwähnung getan, so daß mit der Vorführung des Erlernten von seiten der Abteilungen auch eine äußerst nutzbare Samariter^ schulung verbunden war. Aus der Hebung, welche zugleich eine Prüfung der Rettungsabteilung Leutasch sein sollte/konnte man ersehen, daß dieselben im Verlause des Winters viel erfaßt und gelernt hatte. Das große Interesse der intelligenten Leutascher Bevölkervng durch! die Stellung einer so schönen Anzahl von geschulter Rettungsmannschaft ist, wie sich Jnstruktionsarzt Dr. Liebl beim darauffolgen- 'den Festmahle ausdrückte, beweisführend dafür, daß ein vertrauensvolles und inniges Zusammengehen mit der Landbevölkerung die besten Früchte zeugen kann. Altbürgermeister Bader aus Mittenwald und Chefarzt Dr. Tschammler forderten bei dieser Gelegenheit die Bevölkerung zum Dank Mr die Opferwilligkeit ihres Gemeindearztes auf. Mt einem Ausfluge nach der Ferienkolonie Wildmoos endete der für die Leutascher
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 14. Juni 1913, S. 19, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/9330-rettungsuebung-in-leutasch-mit-erste-hilfe-vorfuehrungen-und-1913).

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