Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
BLITZ TÖTET AUF DEM GIPFEL

Tödlicher Blitzschlag auf dem Brandjoch tödlich für Wanderer, mehrere Verletzte

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 28. Juli 1913 · Seite 6 · #Tod durch Blitzschlag
Alpine Zeitung. Die Gefahren bcx Werge. Dräuende Wolken zogen gestern durch « das Jnntal, regenschwer, gefahrdrohend, besonders für jene, die auf den Höhen weilten, denn die subjektive Gefahr ist auf freien Berggipfeln ungleich größer, die Situation bedenklicher als irgendwo anders. Die Gewitterwolken wurden gestern in den ersten Nachmittagsstunden mit ungewöhnlicher Raschheit vom Westen hergetriebeu und im Karwendel tobten wilde Wetter. Man weiß noch nicht sicher, ob sie nicht Unheil angestiftet. Auf der Nordkette bei Innsbruck, die wie immer an ' Sonntagen, Massenbesuch hatte, ging es gestern nicht gut ab. Archeilvsüe Blitzschläge. Aus dem aussichtsreichen Gipfel des Brandloches lagertet: gestern etwa um halb 3 Uhr Nachmittag sechs Personen. Als sie die schwer geladenen Gewitterwolken nahen sahen, dachten sie wohl an den Aufbruch, ahnten aber nicht, tzaß das Unheil so furchtbar nahe sei, und Arno Weller, ein Mitglied einer der beiden Partien (vier „ Naturfreunde " und zwei „ Karwendler ") äußerte sich, er müsse noch rasch etwas essen, eyevor das Gewitter Hereinbreche und der Aust bruch nötig sei. Weller wollte auch schon die Anzeichen elektrischer Spannungen beobachtet haben, die sich durch Summen an Bergstöcken oder Gipfeln, durch Steifung der Kopfhaare a. a. bemerkbar machen. Die anderen bemerkten hievon nichts, doch im nächsten Augenblicke fuhr schon ein Blitz unter schrecklichem Krachen auf oen Gipfel nieder und in die Turistengesellschiaft hinein. Alle blieben anfangs betäubt liegen, die. meisten erholten sich bald wieder, aber der Tod hatte sich ein Opfer aus ihrer Mitte geholt. Arno Weller, Lithograph bei der Firma Lampe n Innsbruck, aus Dresden gebürtig, 24 Jahre rlt, erwachte nicht mehr zum Lebem Der Blitz jatte ihn aus der Stelle getötet, während er seine Jause hielt. Die Leiche zeigt nur ganz rusche inbare Verletzungen; am oberen Teile des unken Auges war eine kleine Brandwunde in )er Form eines Loches sichtbar und auch sonst vies der Kopf kleinere Brandwunden auf. An- )reas Paller hatte die Kopfhaare vollständig verengt, er schien auch schwer verletzt zu sein, denn )ie Betäubung wich lange Zeit nicht von ihm. schwankend, mit dem Gesichtsausdrucke eines Beinnungslosen, vermochte er aber dennoch ohne Hilfe den Rückweg vom Gipfel anzutreten. Ein Zräulein, das ebenfalls zu der Gesellschaft ge- )örte, blieb unverletzt, aber Rudolf Lammet und Arthur Lebenegg hatte:: ein jeder Vier bis fünf Vrandwunden an verschiedenen Teilen des Körlers davongetragen, Brandwunden in der Größe :ines Kronenstückes, die aber ungefährlich waren. Mehrere andere Turisten, die am Frauhittsattel ivr dem Ungewitter Schutz gesucht hatten, erzielten von einem der auf dem Brandjoche Verrnglückten die Mitteilung von den: Unheil, das -ie betroffen hatte. Sechs Personen waren sosort jur Hilfeleistung bereit, stiegen zum Gipfel des Zoches empor und bemühten sich vorerst um )en regungslos daliegenden Weller, die Wiederielebungsversuche waren aber erfolglos. Nun vurde der Tote in ein Zeltblatt gehüllt, das Mitglieder der Bergsteigerriege des Innsbrucker Turnvereines bei sich hatten und zur Verfügung stellten, und mit Seilen umwickelt. Unter namhaften Schwierigkeiten, welche der verschneite Ost- ;rat des Brandjoches bot, wurde Weller über steile Felspartien abgeseilt. Diese Vorsicht war auch aus dem Grunde nötig, weil der Transport in unmittelbarer Nähe des Sicherungsdrahtes mit Blitzgefahr für die bergenden Turisten verbunden war. Man langte glücklich am Frauhittsattel an, wo der Tote vorläufig liegen blieb, da man sich auch um die Verletzten kümmern mußte. Von diesen stürzte einer auf dem Abstiege und verletzte sich am Kopse leicht. Andreas Paller, Arthur Lebenegg und Rudolf Lammel erhielten im Innsbrucker Spitale Verbände, sie konnten dieses aber sosort wieder nach der ersten Behandlung verlassen. Der getötete Weller wird in: Laufe des heutigen Tages vom Frauhittsattel herabgebracht., Aber auch auf anderen
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 28. Juli 1913, S. 6, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/9416-toedlicher-blitzschlag-auf-dem-brandjoch-toedlich-fuer-wanderer-1913).

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