Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
WÄLSCHES MANDL MIT 12 JAHR KERKER BESTRAFT

Schwurgerichtsverhandlung wider den italienischen Maurer Franz Burganza wegen Raubes an Bauersmann in Breitenbach

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 12. März 1875 · Seite 3 · #Raub
Qui vivra, verra! T. (Vom Schwurgerichte.) In der gestrigen Schwurgerichts - Sitzung unter dem Vorsitze des Herrn Landesgerichts - Präftdenten Dr. Eduard Ferrari und im Beisein der Herrer Landesgerichtsrath von Gasteiger und LandeSgerichts- Adjunkl Ritter v. Lackmüller, des Staatsanwalts - Substituten Ritter v. Reinisch und des Bertheidigers Dr. Onestinghel, kam Franz Burganza, 24 Jahre alt, lediger Maurer von Carbonara, Provinz Mantua, Königreich Italien, wegen Verbrechens des Raubes zur Verhandlung. Der Angeklagte, ein mittelgroßer, kräftiger, aber sehr rabiater Mann, verließ im Jahre 1871 seine Heimat und nahm in Breitenbach Dienst, wo er bis zu seiner That verblieb. Am Abend des 26. Dezember v. Js. kam der Bauersmann Franz Huber, der an demselben Tage in Rattenberg ein Geldgeschäft abgemackt und etwa 214 fl. 72 kr. theils in Fünfer Banknoten, theils in Gold und Silber bei sich hatte, in das erste WirthShaus in Breitenbach, wo sich eine Gesellschaft befand, der er sich ansckloß und die die Zeche gemeinschaftlich zahlte. Bei dieser Gesellschaft befand sich auch der bei dem Schwiegersöhne des Beschädigten in Wohnung befindliche Franz Burganza, der wohl mitzeckte, aber nicht mitzahlte, weil er nach Angabe der Zeugen kein Geld hatte. Als Franz Huker dort zahlte, sah Burganza, vulgo das „ wälscbe Mandl ", dessen Ge ^ d und sein Entschluß war gefaßt. Franz Huber und mit ibm der Angeklagte entfernten sich und Letzterer bat E > st reu, als sie an einem zweiten Wirthshause vorbeikamen, 7hm noch eine Halbe Bi r zu bezahlen. Sie kehrten ein und Huber zahlte die Zecke. Burganza verlwß auch jetzt nickt den Huber und dieses Nackgehen auf Schritt und Tritt erregte in Huber Verdacht und er übergab in der Küche, wobin ihm Burganza ebenfalls folgte, das Silber und Gold der Wirthin zum Aufbewohren. Aber auch einem der Gäste war das Benehmen des Italieners ausgefallen und er forderte den Huber auf, nicht mehr nach Hause zu gehen, sondern bei ihm zu übernachten, oder wenigstens nicht mit dem Italiener zu gehen. Doch Burganza trieb immer mehr nach Hause und sagte, der Schwiegersohn des Beschädigten habe ikn ersucht, den Vater nach Hause zu begleiten, da derselbe viel Geld bei sick habe und er, der Angeklagte, sei mit einer Pistole versehen ( die er zum Weihnachtsschießen entlehnt, aber nicht zurückgestellt hatte). Huber befolgte den letztern Rath seines Freundes und ging allein fort auf dem Kirchwege nach Oberbreitenbach. Aber schon in einer halben Viertelstunde kam ihm der Angeklagte nach und verlangte von ihm Geld und griff nach der in der inneren Rocktasche befiudlichen Brieftasche des Huber. Dieser aber faßte ihn am Hals und warf ihn zu Boden. wo sie eine Zeit lang rangen, bis Burganza bat, ihn loszulasien, sie wollen nach Hause gehen. Huber, der glaubte, es sei das Ganze nur ein Scherz von dem ihm gut und als Spaßmacher bekannten Wälschen, ließ ihn los und ging des Weges weiter. Bald aber rief ihm Burganza nach, er solle sich umkehren, er
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 12. März 1875, S. 3, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/3456-schwurgerichtsverhandlung-wider-den-italienischen-maurer-franz-1875).

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