Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
HUNDE FREI – SEUCHENFREI?!

Erleichterung in der Hundswuthfrage durch Aufhebung der strengen Maßregeln

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 19. April 1878 · Seite 4
1110 (In der Frage der Hundswuth) ist eine Wendung zum Bessern eingetreten. In letzterer Zeit sind in Innsbruck und der nächsten Umgebung keine Fälle mehr vorgekommen, die eine Verstärkung oder Fortdauer dieser Seuche besorgen ließen; aber auch die Behörde hat dieser Thatsache alsbald Rechnung getragen und in der Durchführung der getroffenen Maßregeln zur Verhütung und Unterdrückung dieser Hundekrankheit Erleichterungen eintreten lassen. Das Gebot, die Hunde an der Leine führen zu müssen, ist aufgehoben und schon gestern sah man die Thiere wieder lustig und munter, der Befreiung von» lästigen Gängelbande gleichsam froh, die Straßen durchlaufen. Mit der Aufhebung verschärfter Maßnahnien tritt nun gewohnheitsgemäß int Volke auch sogleich die Sorglosigkeit und Gleichgültigkeit an Stelle der früheren Aengstlichkeit und Zaghaftigkeit. Man bedenkt nicht, daß es keiner scharfen Verordnungen, keiner enggezogenen Schranken von Seite der niit der Wahrung der allgemeinen Wohlfahrt und Sicherheit betrauten Organe bedürfte, wenn die Glieder eines Gemeindewesens alle aus eigenem Antriebe und aus freien Stücken in solchen Gefährlichkeiten jene Vorsicht walten ließen, welche die Vernunft, das eigene Interesse und die billige Rücksicht auf den Nebenmenschen gebieten. Sind die Hundebesitzer nun glücklicherweise eines Theiles der Unannehmlichkeiten, denen sie Wochen lang ausgesetzt waren, los, so sind sie der Aufgabe und der Pflicht, auf ihre Thiere sorgfältigst Acht zu haben und jede verdächtige Erscheinung sofort zur Anzeige zu bringen, und auf diese Art sich selbst und Andere zu sichern und zu schützen, nicht enthoben. Es ist gewiß keine unbillige Forderung, wenn wir allen Ernstes dieses den Hundebesitzern zumuthen. Thun alle das, so ist es auf die einfachste und eines vernünftigen Menschen würdige Weise gemacht; vernachlässiget einer das, dann bürdet er nicht nur sich selbst, sondern allen seinen Mitmenschen die widrige Last allgemeiner Vorsichtsmaßregeln auf. Hier heißt es: Einer schädiget Alle, Alle leiden mit Einem. Wir glauben von jedem Hundebesitzer Innsbrucks so viel Gemeinsinn und so viel Sinn für sein eigenes Interesse voraussetzen zu dürfen, daß dieses Wort nicht in den Wind gesprochen ist. Es ist dann doch Hoffnung vorhanden, daß in wenigen Wochen Innsbruck seuchenfrei erklärt werden kann.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 19. April 1878, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/3898-erleichterung-in-der-hundswuthfrage-durch-aufhebung-der-strengen-1878).

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