Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
BRAND UND KEIN WASSER ZUR HAND

Großer Brand in der Bierbrauerei der Kapferer, Feuerwehr kämpfte vergebens gegen den ausgedehnten Brand

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 2. Mai 1878 · Seite 3 · #Großbrände
Mafferstand am Inn: 0 Meter 5 Deeimeter. (Großer Brand.) In der vergangenen Nacht tönte um 11 Uhr plötzlich das Feuersignal vom Stadtthurme. In der Kapferer ' schen Bierbrauerei ( Summerer und Soyer) war im Malzcylinder auf eine ganz unerklärliche Weise Feuer auögekommen. Hätte man nur einen Extinkteur oder besser noch mehrere zur Hand gehabt, so wäre es vielleicht dem Dienstpersonale ein leichtes gewesen, den Brand in * Keime zu ersticken, so aber griffen die Flammen wie Zunder in den ausgedehnten Gebäuden uni sich, die größtentheils aus Riegelwerk, Balken und Sparren bestanden. Die freiwillige Feuerwehr war schnell vollzählig auf dem Platze; sie konnte aber wegen Abgang des Wassers nicht sofort zur wirksamen Rettungs- Arbeit schreiten. Wegen Reparaturen im Kanalbette in der Kohlstadt und wegen des Neubaues am Margarethenplatze war der Sillkanal abgesperrt und es mußte erst Wasser in den Sandkanal eingelassen werden, ehe man nur überhaupt die bereitstehenden Spritzen durch die Schläuche damit versorgen konnte, weil es unzulässig war, Wasser durch den Sillkanal zu leiten, da dadurch der ganze Margarethenplatz und die Kohlstadt unter Wasser gesetzt worden wäre. Unter diesen heillosen Hindernissen konnte die Feuerwehr nur darauf bedacht sein, das dem Brandobjekte zunächststehende Restaurations und Wohngebäude zu retten. Die Hitze war eine so intensive, daß das Zink an der Dachrinne schmolz und schon brannten die Sparren am Dachvorsprunge an der Westseite des Hauses. Dennoch gelang es der in dieser qualvollen Hitze ausdauernden Mannschaft, diesen Theil zu retten. Die Futterräume und Stallungen, das Betriebswerk und Magazin in seiner ganzen Ausdehnung aber wurde ein Raub des gefräßigen mit wahrer Wuth um sich greifenden Elementes. Es konnte nichts geschehen, als sie einstürzen und niederbrennen zu lassen, was ungefähr um 2 Uhr geschah. Die Brandstätte gewährte von 2 Uhr an einen ganz eigenthümlichen, schauerlich romantischen Anblick.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 2. Mai 1878, S. 3, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/3901-grosser-brand-in-der-bierbrauerei-der-kapferer-feuerwehr-kaempfte-1878).

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