Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
BRIEF AUS DER EISENEN WÜSTE

Kriegsbrief aus Ostbosnien schildert harte Feldbedingungen und Mangel an Lebensmitteln

Gin Brief aus Ostbosnieu. Lager vor Zwornik, am 30. Sept. Meine Lieben! Es verging seit der Ueberschreitung der Save kein Tag, an dem wir nicht naß geworden wären und dann auf dem nassen Boden liegen, um sich auszuruhen, das ist eine problematische Sache. Ich begreife nicht, wo wir noch die Kraft hernehmen, wir sehen wie die Wilden aus, alles kothig, rostig, zum Theil zerrissen Jetzt durften wir einige Tage hierbleiben, um uns wieder auszuflicken und die anderen Sachen herzurichten. 6 Schuster werden 3 Tage vollauf zu thun haben. Aber es kann sich auch niemand einen Begriff machen, wie es hier aussieht. Die Straßen führen kerzengerade auf den Berg hinauf, dann wieder herunter. Dörfer gibt ' s keine, auch ist um das schwerste Gelb nichts zu haben. Für ein Ei würde ich gerne 10 kr., ja 20 kr. zahlen, wenn ich nur welches bekommen könnte. Wegen der schweren Brodbeschaffung ist der Mann auf 435 Gramm und das noch meistens Kukuruzbrod oder auf Handmühlen äußerst primitiv mit aller Spreu erzeugten Weizenbod angewiesen. Das Brod ist ein Aschenfladen. Welche Freude, wenn uns veritables Kommisbrod oder Zwieback verabfolgt wird, das ist ein Freudentag. Wein hatten wir von Babinagreda bis Tuzla keinen bekommen, es war auch unmöglich; denn wo wir gingen, war ein Wagen unbekannt. Am 24. und 25 Sept rasteten wir in Tuzla; am 26. gingen wir bis Ribmica, am 27. Perujavor, am 28. mußten wir wegen eingetretener Finsterniß in der einsamen Wildniß die Nacht über lagern, am 29. mußten wir, da die Pferde versagten, mit Menschenhänden die Pferde ersetzen und die Wägen ziehen. Bei der Artillerie waren 10 Pferde streckenweise pro Munitionswagen eingespannt und versagten, da die Steigungen 35 — 40 Grad erreichten. Ich sage aufrichtig, diese Sache möchte ich um keinen Preis mehr
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 9. Oktober 1878, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/3954-kriegsbrief-aus-ostbosnien-schildert-harte-feldbedingungen-und-1878).

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