Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
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Beleidigung und Erfindung: Der 'Schwindelmeier' vor Gericht in Kitzbichl

und sei deswegen des Hochverraths angeklagt, aber durch seine glänzende Selbstvertheidigung doch nur zu 14 Tagen Arrest verurtheilt und aus Graz ausgewiesen worden. Nach dem Plane der Verbrüderung, der er angehörte,D „ hätte der Kaiser von Rußland und Oesterreich springen oder spritzen. " Als Vertriebener aus Graz habe er sich nach Tirol gewendet. Als weltberühmter Helfershelfer in juristischen Nöthen habe er sich in vor nicht langer Zeit in einer Rechtssache des unschuldig verurtheilten Thomas Heim, Fuhrknecht beim Tiefenbrunner in Kitzbichl, angenommen. Eine Weibsperson, die während des Fahrens einmal ohne Erlaubniß beim genannten Heim hätte aufsitzen wollen, sei im Auffteigen vom Wagen gefallen und hätte sich dadurch einige Verletzungen zugezogen. Vom Bezirksgerichte in Kitzbichl darüber zur Verantwortung gezogen, sei Heim zu einem Schmerzengelde von 11 fl. und zur Tragung der Kosten verurtheilt worden. ( Die Erzählung von diesem Falle mit dem Weibsbilde war bis dahin der Wahrheit gemäß.) Er, nämlich der „Schwindelmeier ", habe dem Fuhrknechte Heim Aufklärung verschafft über das demselben geschehene Unrecht. Er sei nämlich als dessen Vertreter zum Bezirksgerichte gegangen, habe sich die Gesetzbücher aufschlagen lassen, und da hätte sich nicht ein einziger Paragraph gefunden, nach welchen die Abstrafung Heim ' s begründet gewesen wäre. Der Bezirksrichter hätte sofort sein Erstaunen ausgedräckt über die widerrechtliche Verurtheilung durch den Adjunkten v. Trentinaglia und auch sogleich das erste Urtheil kassirt und den Fuhrknecht freigesprochen. Dazu habe aber auch der Bezirksrichter kein Recht gehabt, da das nur durch eine erneute Verhandlung vor einem Gerichte zweiter Instanz hätte geschehen dürfen. Mit großem Pathos habe er seine Rede geschlossen. „ Das Bezirksgericht von Kitzbichl ist überhaupt das partheiischste, schlechteste und schmafumrßigste, das ich getroffen habe, so weit ich herumgekommen bin. " Auch die Gendarmen in Kössen seien schlechter als die Karner. Ueber diesen letzteren Ausdruck wurde ein anwesender Karner aufgebracht, worauf der „ Schwindelmeier mit geballter Faust auf den Tisch schlug und nochmals betheuerte: „ Ja ich bleibe dabei, die Gendarmerie in Kössen ist viel schlechter, als die schlechtesten Karner. " Diese letzten Schmähungen auf das Bezirksgericht in Kitzbichl und die Gendarmerie in Kössen in Verbindung mit der ganzen vorausgegangenen bis auf den Fall des Weibsbilves und die Verurtheilung Heim ' s durchaus erfundenen und gänzlich erlogenen Darstellung bildeien nun die Anhaltspunkte für die Anklage der Staatsanwaltschaft auf das Vergehen der Aufreizung und Ehrenbeleidigung.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 12. Dezember 1878, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/3966-beleidigung-und-erfindung-der-schwindelmeier-vor-gericht-in-1878).

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