Anton Zingerle. (Revanche eines Malers.) Ein Theilhaber eines hiesigen Geschäftes ließ sich bei einem hiesigen Künstler malen. Als der letzte Pinselstrich an dem Portrait geschehen war und der Gemalte erschien, um die Arbeit zu beurtheilen, entsprach das Gemälde seinen Voraussetzungen und Anforderungen durchaus nicht. Er erklärte dem Maler, daß er das Portrait, welches ihm kaum wiedergebe, nicht annehmen könne; er werde ihm für seine Auslagen für das Materiale: Leinwand, Farben rc. entschädigen, die Arbeit könne er aber für sich behalten. Mit diesem Bescheids verließ er die Wohnung des Künstlers, welcher sein Werk ungeachtet des Urtheils seines Kunden doch dem Originale sprechend ähnlich finden wollte. Da blitzte dem beleidigten Maler ein Einfall durch den Kopf. Die vox populi sollte in diesem Falle entscheiden, ob in dem Portrait das Original getroffen sei oder nicht. Er entschloß sich also schnell zu einem originellen Appell an das öffentliche Urtheil. Gedacht gethan und der Maler saß wieder bei seinem Bilde und malte demselben an Brust, Schultern und Haupt einen ganzen Kranz buntscheckiger Federn, wie sie die Wilden zu tragen pflegen. Wenn in dieser Ausstattung des Bildes das lebende Original vom Publikum wieder erkannt würde, so, meinte der Maler, sei das ein Beweis für die Bortrefflichkeit seiner Arbeit. So sah man denn am vergangenen Dienstag Nachmittags im dritten Stocke des Hofschmied Pichler ' schen Hauses in einem Fenster dieses Bild zur Schau ausgestellt, während der Maler sein Arbeitszimmer abschloß und sich auö seiner Wohnung entfernte. Richtig wurde von der staunenden Menge allenthalben die Person aus dem Gefieder heraus erkannt und ein dienstbarer Geist lief unverweilt zum „ Gemalten " und hinterbrachte ihm die Wundermähr von seinem Portrait. Augenblicklich machte sich der auf die Füße und als er kam und sah, was geschehen, da eilte er hinauf in die Wohnung des Malers, fand aber die Thüre verschlossen. Da mußte der Hauseigenthümer aufsperren, die Polizei wurde gerufen und das Bild vom Fenster entfernt. Eine gegenseitige Klage des Malers und Gemalten und somit ein Prozeß dürfte die nächste Folge dieser heiteren Geschichte sein.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 1. August 1879, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/4058-heiterer-streit-um-ein-portraet-und-die-urtheile-der-menge-1879).
(Eme eigenthiimliche Wette.) Ein gewisser Hell, dessen Magen von entsetzlicher Berdauungsfähigkeit sein muß und von dessen Leistungen als berüchtigtem Wurstvertilger die Innsbrucker wiederholt zu hören bekamen, produzirt …
( Schluß folgt.) (Eill Witz) verbreitete sich dieser Tage von Hall aus. Irgend ein witziger Kopf stellte die Frage auf: „ Welches ist die ärmste Gemeinde in Tirol? " Die Antwort lautete dann: „ Oberhofen; denn es hat kei …
(Allfgefundene Kindsleiche.) Gestern in der Morgenftühe wurde vor dem Eingangsgitter des städtischen Friedhofs dahier ein kleiner Sarg aufgefunden, in welchem eine Kindesleiche lag. Der Wäckter machte, da er auf ein Verb …
(Kaiserjäger Alber noch einmal.) Die Geschichte des in der Herzegowina verwundeten und amputirten, jetzt auf der hiesigen Klinik befindlichen Kaiserjäger Alber hat so nrancherlei, vom Standpunkte des Nichtarztes begreifl …
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