Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
SALBE ALS MASSEUR-TRICK

Wissenschaftliche Bestätigung der Wirkung der Massage durch Experimente mit Tusche und Hunden

Keineswegs neu, vielmehr schon einige Jahrtausende alt ist die Massage. Bei Geschwülsten, Luxationen rc. haben die Aerzte von jeher etwas auf die Massage gehalten. In Rom laufen heute noch auf den Straßen alte Weiber umher, die sich gegen ein Honorar von einigen Aren zu Massagediensten hauptsächlich Solchen entbieten, deren Veroauungsgang Störungen erlitten hat. Seit neuerer Zeit hat die Wissenschaft der Massage wieder besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Viele betreiben die Massage als Spezialstudium und haben es in deren praktischen Ausübung zu hoher Kunstfertigkeit gebracht. Die Massage hat neuerdings Triumphe zu verzeichnen. Leute, die bereits als unheilbar aufgegeben wurden, erlangten durch die Massage ihre völlige Wiederherstellung. Nicht selten tritt uns die Massage verkappt in Salben und andern Mitteln entgegen; einem biedern Landmann gegenüber muß der Arzt zu solcher Lift greifen. Er verordnet starke Einreibung einer ganz unschuldigen Salbe und hat dabei nur den Zweck des Einreibens, Knetens, Streifens — der Massage — im Auge — ein bloßes Reiben mit der Hand hielte der bäuerliche Patient einfach für einen Unsinn. Wiederholt war die Massage Gegenstand interessanter Experimente. Tusche wurde in Wasser verrieben und zwar je 30 Gramm hievon einem Hunde unter dem rechten und linken Kniegelenk injicirt. Während das rechte Bein nach alter ^ ode mit Ghpsverband, kalten Ueberschlägen behandelt wurde, wandte man am linken Bein Massage an. Nach einem halben Jahr wurde das Thier getödtet und die Massage ergab sich daraus, daß die Tusche auf die ganze rechte Hälfte des Körpers vertheilt worden war, während sich in dem nach alter Methode behandelten Bein die Tusche unverändert an derselben Stelle vo fand. Von eminentem Erfolg zeigt sich die Massage bei Luxationen; während Verstauchungen des Fußes früher nicht selten 6 Monate lang ärztlich behandelt wurden, kann die Massage bereits in 8 — 14 Tagen eine Rekonstitution des Fußes erzielen.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 12. April 1888, S. 9, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5105-wissenschaftliche-bestaetigung-der-wirkung-der-massage-durch-1888).

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