Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
ROTEN KREUZES VERWALTUNG IN DER KONTROVERSE

Unglaubliche Verwaltungsausgaben der Gesellschaft vom Rothen Kreuze – 155.746 fl. allein für Verwaltung

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 8. Jänner 1889 · Seite 7 · #Rotes Kreuz
7 nicht patriotischer Eifer thätig wäre, um durch direktes Sammeln oder durch Veranstaltung von Concerten, anderen Auffährungen orer Ballfesten reiche Geldmittel aufzubringen und an den Centralausschuß abzuliefern. Die Gesellschaft vcm Rothen Kreuze trat mit dem 1. Jänner 1880 ins Leben und in den sieben Jahren, über welche bisher die Gebahrungsberichte der Gesellschaft vorliegen, find ihr, abgesehen von dem ursprünglich übernommenen Vermögen und den Zinsen desselben, sowie den direkt entrichteten Mitglied « beitrügen, durch die oberwähnte Vereinsthätigkeit aus allen österreichischen Provinzen sehr bedeutende Summen zugeflosien. Sa aus Nieder öfter rech 25. 450 fl, aus Böhmen 26. 012 fl, aus Mähren 16. 149 fl, au - Stetermark 9060 fl. u. s. w. Von sämmtl chkn patriotischen Landeshilfsvereinen wurden an die Centralleitung der Gesellschaft 87. 487 fl, von sämmtlichen patriotischen FrauenhilsSverein n 68. 259 fl., zusammen also 155. 746 fl. abgefährt. Es ist begreiflich, wenn die Tausende von Personen aller Gesellschaft « kreise, deren patriotischer Opferwilligkeit der Eingang so großer Summen zu verdanken ist, ein reges Interesse daran haben, daß mit diesen Beträgen höchst strenge uns genau gea irthschaftet werde. In der jüngsten Wehrzefetz - Dkbatte unseres AbgeordvetendauflS sind nun in dieser Hinsicht seitens de « Abgeordneten Prost ssor v. Kraus Angaben gemacht wordm. weiche einen Zweifel in die gute Wirttzschaft der Verwaltung de « „ Rothen Kreuzes " gerechtfertigt erscheinen ließen. Ein näheres Eingehen i die Ziffern der von dieser Verwaltung selbst erstatteten Benchte d rste deshalb geboten sein. Man kommt dabei zu Ergebnissen, welche nickt nur die Volkskreise, welche ihre LiebeSsteucr abstatten, sondern auch unsere hohen M ' lilärstellen in hohem Grade interesfiren müffen. 155. 746 fl also haben die Lande « und Frauen - HilSvereine an die G> sclljchaft gesteuert. Diese ganze Summe und noch eine Kleinigkeit von 868 fl. darüber ist auf die bloße — „ Verwaltung " aufgegangen! Denn die eigentlichen Verwaltung kosten beliefen sich auf 140624 fl., und jene 15. 990 fl., welche als „ Redaktion « und Administrationskosten für das Rothe Kreuz - Organ " sonderbarerweise von der Leitung unter die „ Auslagen in Erfüllung des Vereinszweckes im Frieden " eingereiht sind, erlauben wir uns, da der „ Vereinszweck" damit nicht das Mindeste zu schaffen hat, gleichfalls den „ VerwaltunzSkosten" beizuzählen. Man wird staunen, wie es möglich ist, daß all ' dar viele, von patriotischen Männern uns Flauen mit Aufwand großer Mühe Jahr für Jahr zusammeluclesene Geld so ganz und gar auf bloße „ Verwaltung " aufgehen ISnne. Aber ein Blick auf die Verrechnungen löst das Rächsel. Nehmen wir spiclsweise den Bericht über daS Jahr 1886 zur Hand. Von den Landes- Hilfseere ' nen wurden in jenem Jahre 10 882 fl, von den Frauen - Hilfsvereinen 8809 fl., zusammen also 19. 691 fl. an den Centralfond abgeliesert. Davon wurden 10. 197 fl. ( I!) an Gehalten unv Diurnen ", 66l fl. noch überdies an „Remunerationen ", 808 fl. an „ Kanzlei Auslagen ", 212 fl daneben an Kanzlei- Erforderniffrn, außerdem aber roch 1661 fl. an Drucksorten und 237 fl. an „Diener - Livreen " verausgabt. Ein Betrag von 120 fl. wird verbucht als — man höre! — „ Auslagen a läßlich der Besichtigung der FeldauSrüstungsund Wagendepots durch den.... kaiserlich japanischen Prinzen Akahito - Komatsu ". Das ganz überflüssige „ Rothe Kreuz - Organ " kostete auch noch 3240 fl, im Ganzen betrugen die Berwaltungsauslazen jenes Jahres ( den Prinzen Akahito-
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 8. Jänner 1889, S. 7, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5190-unglaubliche-verwaltungsausgaben-der-gesellschaft-vom-rothen-kreuze-1889).

Weitere Berichte aus der Rubrik „Arbeitswelt, Medizin & Soziales“

TOTENSTÄTTE OHNE LEICHENKAMMER

Ablehnung eines Beitrags zur Leichenkammer am Mariahilfer Friedhof durch den Magistrat

Innsbrucker Nachrichten · 22. Jänner 1889 · S. 7 · Arbeitswelt, Medizin & Soziales

Namens des Rechtscomit ^ s refrixt sodann G. - R. Dr. Blaas über die Frage eines Beitrags der Stadlgemeinde zur Errichtung einer Lcichenkammer am Mariahilfer Friedhof. Es handelt sich hier um die principielle Frage, ob d …

✎ Korrektur-Modus Klicke in jede Überschrift oder Transkriptions-Zeile (Enter = nächste Zeile, Shift+Enter = Zeile teilen)
Gesammelt: 0 Artikel |