Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
MENGERES RECHT – MEHR STAATSWISSENSCHAFT

Reform der rechtswissenschaftlichen Studien: Neue Lehr- und Prüfungsordnung beschlossen

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 4. November 1889 · Seite 7
" (Reform der juridischen Studien.) Ueber die Vorschläge, welche die Enquete zur Reform der rechtswissenschastlichen Studien hinsichtlich der Lehr und Prüfungsordnung beschlossen hat, wird berichtet: Die Stundenzahl für römisches Recht wird auf 20 reduzirt, die deutsche Reichs und Rechtsgeschichtc wird um zwei Stunden reduzirt, das Kirchenrecht auf ein Semester beschränkt; dagegen kommt als neuer obligater Gegenstand österreichische Staatsgeschichte hinzu; diese vier Fächer bilden den Inhalt der ersten Staatsprüfung, welche facultativ am Ende des dritten Semesters abgelegt werden kann Außerdem werden die Studenten verpflichtet, ein allgemein bildendes Collegium an der philosophischen Fakultät, ganz nach freier Wahl, zu besuchen. Auch die Gegenstände der judieiellen Staatsprüfung wurden restringirt, um Raum zu gewinnen für die staatswissenschaftlichen Fächer. Civilprozeß und allgemeines bürgerliches Recht werden um zwei Stunden gekürzt. Dagegen werden National - Oekonomie, Finanzwissenschaft. Verwaltungslehre und - Recht und Staatsrecht in erweitertem Maße gepflegt. Die Statistik war ein Gegenstand eingehender Discussionen und wurde schließlich zum Obligat - Gegenstände erklärt, ohne aber Gegenstand einer Prüfung zu sein; auch Völkerrecht wird kein Gegenstand einer Prüfung sein. Den Schluß der Studien bilden zwei Prüfungen, die aber nicht obligat sind, die judicielle und die staatswissenschaftliche, die in beliebiger Reihenfolge abgelegt werden können.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 4. November 1889, S. 7, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5267-reform-der-rechtswissenschaftlichen-studien-neue-lehr-und-1889).

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