Extrabeilage zu den „ Innsbrucker Nachrichten " Nr. Vv Der Sill - Canal in Jnnsbruck - Milten. Durch den Beschluss der gesummten Interessenten am Sill - Canale, die bisher bestandene Hauptinteressentschaft in eine obligatorische Wassergenossenschast nach dem Wasserrechtsgesetze vom 28. August 1870 umzuwandeln, durch welchen Beschluss die Regelung der rechtlichen Verhältnisse bezüglich Benützung des Canalwassers endgiltig angebahnt ist, wurde das Interesse für den Canal in betheiligten Kreisen in erhöhtem Maße wachgerufen. Der Sill - Canal oder die „ kleine Sill ", dieses Wahrzeichen Innsbrucks und die Lebensader so manch blühenden Industriezweiges, ist aber durch seine Lage und seine eigenthümliche Physiognomie nicht bloß den: daran Betheiligten allein vertraut geworden, sondern verdient derselbe schon darum ein ganz allgemeines Interesse, als die die Stadt nach allen Richtungen durchziehenden Ritschen auch in entfernt gelegenen Stadttheilen an sein Bestehen mahnen. So kann ich hoffen, dass auch in weiteren Kreisen eine Betrachtung und Schilderung desselben nicht unerwünscht sein wird. Doch soll im Nachfolgenden nicht nur der heutige Sill - Canal besprochen werden, sondern es sei mir gestattet, auf Einiges aus seiner Geschichte, so weit es die mir zugänglich gewordenen spärlichen Behelfe gestatten, mitzutheilen. Die kleine Sill verdankt ihre Entstehung einer verheerenden Feuersbrunst, die im Jahre 1292 während der Anwesenheit des Herzogs Meinhard II. fast ganz Innsbruck in Asche legte. Es scheint damals an ausreichendem Wasser zum Löschen gemangelt zu haben und um diesem Uebelstande in Zukunft begegenen zu können, ließ Herzog Meinhard II. mit Bewilligung des Abtes von Willen einen großen Canal Herstellen, von dem aus durch kleine Canäle das Wasser in alle Gassen der Stadt geleitet werden kann. Da Herzog Meinhard schon 1295 starb, so ist es wahrscheinlich, dass die Entstehung des Canales in die Jahre 1292 oder 1293 fällt. Die erwähnten kleinen Canäle waren anfangs offene Rinnen, in die gewöhnlich erst nach Signalisierung eines Brandes ein größeres Wasserquantum eingelassen wurde. Im Jahre 1500 ließen die Bürger Innsbrucks gelegentlich der Herstellung einer Pflasterung der Straßen auch die Straßencanäle „ eiufassen. " Der günstige Unfftand, ein gleichmäßig fließendes Wasser in der Nähe der Stadt zu haben, dessen Bett von Ueberschwemmungen und Hochwassergefahren nur wenig oder gar nicht beeinflusst war, sowie das am neuen Canale vorhandene Gefälle führten ohne Zweifel bald dazu, sein Wasser als motorische Kraft zu verwenden; die diesbezüglich älteste bekannte Urkunde datiert vom Jahre 1423; danach wurde nebst anderen Rechten die Engelmühle von Hanns und Dorothea Goldsmid dem Rüedl - Bäcken auch mit dem übergeben, dass ein jeder Abt von Willen das Wasser zur Mühle herabzuleiten habe. Es wurde der Canal also zweifelsohne schon frühzeitig zu industriellen Zwecken benützt. In der erwähnten Urkunde erscheint stets nur der Abt von Willen als Verfügungsberechtigter, was vielleicht darin seinen Grund hatte, dass die Stiftsgüter und Ländereien zu beiden Seiten des Canales damals bis über den Saggen sich erstreckten. Unter solchen Verhältnissen ist der Schluss zulässig, dass das Stift in erster Reihe sich selbst die Vortheile des Canales zukommen ließ und so ist es nicht unwahrscheinlich, dass die noch heute bestehende Klostermühle und Säge das älteste industrielle Werk am Sill - Canal war. Aus dieser Zeit ist uns über den Zustand dieses Canales nichts Näheres bekannt und die ersten genaueren Aufschlüsse darüber erhalten wir erst aus der von weiland Erzherzog Ferdinand im Jahre 1592 erlassenen Sillordnung, die sich zwar auf eine solche vom Jahre 1553 beruft, doch konnte diese letztere bisher nicht aufgefunden werden. In der Sillordnnng wird der schon im Jahre 1553 bestandenen, dem Landesfürsten
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 28. März 1891, S. 32, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5428-vom-urspruenge-und-rechtsverhaeltnisse-des-sill-canals-in-innsbruck-1891).
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