Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
SELLRAIN-VERBINDUNG ENDLICH GEBOREN

Erbauung der neuen Straße nach Sellrain durch Stift und Gemeinden ermöglicht

B Nage M de » J « vsbrucker NachriÄtsu Mr. 11 « am 14 Mai Die neue Straße nach Sellrain. *) sVoa emem tangjäkirigeir Kesucäer cfcs fftafes.) Es ist noch gar nicht so lange her, dass man vom Jnnthale in das Sellrainthal mit seinen Ortschaften nur von zwei Seiten über Höhenzüge und die Gemeinden Axams und Oberpe ^ fuß her gelangen konnte. Für den Wagenverkehr, der sich von Jahr zu Jahr steigerte, war ausschließlich nur der Weg über Axams benützbar, der übrigens wegen seiner Steilheit an einzelnen Stellen besonders im Winter nicht geringe Gefahren in sich schloss. Dies und die Weite des Weges von und nach Innsbruck ließen schon vor hundert Jahren eine bequemere unb kürzere Verbindung zwischen dem Melach und Jnnthale wünschenswert erscheinen. Mehrere Jahrzehnte waren verflossen, als der Vlau eines Straßenbaues der Melach entlang wieder besprochen wurde. Das hohe Aerar, welches von Weihenofen bis über die erste Melachbrücke der jetzt bestehenden Straße, den sogenannten „ Bur seiten - Reichsforst " und im Votscherthale ausgedehnte Waldungen besitzt, die mangels einer Straße fast gänzlich unverwertbsr waren, zeigte sich damals für einen eventuellen Wegbau sehr geneigt und wandte sich auch an die Thalgemeinden mit der Anfrage, ob die Erbauung einer Verkehrsstraße im Interesse der Gemeinden läge und ob dieselben nach Maßgabe ihres Könnens einen gewissen Beitrag zu leisten sich bereit erklärten. Die Antwort lautete — man höre und staune — in allen Punkten auf „ Nein. " Nachdem nun die Gemeinden in diesem Sinne entschieden, sah sich begreiflicherweise das Aerar keinesfalls verpflichtet, in dieser Angelegenheit weitere Schritte zu thun. Einige Zeit darauf planten Privatleute betreffs Errichtung eines Touristenweges durch das Sellrainthal von Kematen bis Rothenbrun; diese Idee fand jedoch wenige Anhänger, vielmehr einigte man sich endlich zur Erbauung eines Fahrweges. Die Ausführung dieses Projectes, die dann auch wirklich im Jahre 1887 erfolgte, ward vor allem durch die Munificenz des Stiftes Wilten ermöglicht, welchem bekanntlich die im Sellrainthale liegenden Pfarreien Gries und St. Sigmund nebst einer großen Alpe gehören. Außer dem Stifte, welches circa 17. 090 fl. zur Verfügung stellte, Zeichneten auch Gemeindeangehörige von Sellrain, Kematen und Gries Beträge von 5 bis 1000 fl. und darüber, so dass endlich die erforderliche Summe von 27. 000 fl. aufgebracht war. Die interessierten Gemeinden mit Ausnahme von Kematen, also Rothenbrunu und Gries verhielten sich auch diesmal ablehnend gegen jede Unterstützung dieses Unternehmens aus Gemeindemitteln, weshalb im
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 14. Mai 1892, S. 18, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5577-erbauung-der-neuen-strasse-nach-sellrain-durch-stift-und-gemeinden-1892).

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