Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
SKELETT IM EINGEMAUERTEN KISTEN

Fund eines vermoderten Gerippes bei Abbruch alter Ruinen in Telfes

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 20. Mai 1892 · Seite 4
Messe. (Aus Telfes) wird uns geschrieben: Beim Abbruch der Ruinen eines hiesigen uralten, abgebrannten Hauses stießen die Arbeiter plötzlich auf ein eingemauertes, zugenageltes Kistchen. „ Ein Schatz " war das Losungswort, welches windeseilig die Baustätten durchlief. Hastig wurde an die Eröffnung des räthselhc ften Fundes geschritten — jedoch anstatt des Goldes barg die hölzerne Hülle — ein vermodertes Gerippe, von dem man mit Bestimmtheit nicht mehr sagen konnte, ob es aus den hundertjährigen Ueberresten eines Kindes oder kleineren Hausthieres bestehe. Dieser Fund dürfte höchst wahrscheinlich aus dem 17. Jahrhundert stammen, zu welcher Zeit die „ Teufelanbeter ", Anhänger des Paul Lederer, des Verkünders einer neuen Religionslehre in Stubai, insbesonders zu Mieders ihr Unwesen trieben. Sie tanzten nächtlicher Weile nackt um große Feuer und verehrten das „ böse Princip. " Paul Lederer wurde zu Kufstein enthauptet. Von diesen „ Fetischdienern " erzählt die Sage, sie hätten Thiere und Menschen ihrem gehörnten Gotte der Unterwelt zum Opfer dargebracht und die todten Körper derselben zur Erlangung ganz besonderer überirdischer Eigenschaften im Hause eingemauert. In denjenigen Gemächern, woselbst sich ein solches Grab befand, sollen sodann von Männern und Frauen die wüstesten Orgien gefeiert worden sein. So berichtet die Sage, der nunmehrige Fund aber gibt ihr historisches Gepräge wenn natürlich auch die Möglichkeit eines anderweitigen Verbrechens nicht ausgeschlossen bleibt.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 20. Mai 1892, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5581-fund-eines-vermoderten-gerippes-bei-abbruch-alter-ruinen-in-telfes-1892).

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