In dem Vortrage: „ Die Aufgaben der Fleischbeschau ", welchen er am Freitag in der Vollversammlung des volkswirtschaftlichen Vereines " hielt, entwickelte er in ungemein fesselnder Weise die verschiedensten Gesichtspunkte, welche eine strenge Handhabung der gesetzlich vorgeschriebenen Fleischbeschau mehr als wünschenswert erscheinen lassen. Es ist uns nicht möglich, die Gedanken des Vortragenden im Wortlaute wiederzugeben, indes wird der nachstehende Auszug hinreichen, um den Leser über die Aufgaben ver Fleischbeschau zu unterrichten. Obgleich die seit dem Jahre 1887 in Tirol in Kraft bestehende Vieh und Fleischbeschauordnung weder in der Stadt, noch in den umliegenden Gemeinden jemals zur vollen Geltung gelangt ist, so wird doch durch diesen Vortrag nicht beabsichtigt, die Innsbrucker Marktverhältnisse einer Besprechung zu unterziehen. Weil aber das Fleisch ein sehr compliciert zusammengesetzter organischer Körper ist, der durch verschiedene äußere Einflüsse sich leicht verändert, so gehört es zu den vornehmsten und wichtigsten Aufgaben der Veterinärpolizei den Menschen vor Gesundheitsschädigungen durch Fleischgenuss zu bewahren. Darum nimmt auch das Fleisch in der Gesetzgebung eine besondere Stelle ein. Die Geschichte lehrt uns, dass die verschiedenen Völker zu allen Zeiten der Fleischbeschau ihre Aufmerksamkeit schenkten, wie es die mosaische Gesetzgebung, die römische Marktpolizei, die schon aus dem 13. Jahrhundert bekannten Vorschriften in Deutschland u. s. w. beweisen. Allein im laufenden Jahrhundert wurde die Fleischbeschau immer lässiger beachtet, bis in jüngster Zeit hierin ein Wandel zum Bessern eintrat. Erst als die Thierkrankheiten, als Seuchen ganze Länder überzogen und die Menschen an Leib und Gut schädigten wurden allmählig Thierseuchengesetze geschaffen. Als Mittel zur raschen Erkennung und Tilgung der Thierseuchen wird aber in allen diesen Gesetzen die. allgemeine Durchführung einer rationellen Vieh und Fleischbeschau angeführt. Der Staat hat an der ordentlichen Handhabung der Veterinärpolizei ein doppeltes Interesse; denn einerseits sollen dadurch die Thierkrankheiten rasch erkannt und getilgt werden, anderseits soll aber auch die Hygiene einen gesetzlichen Schutz finden. Die Fleischbeschau kann aber nur dann ihre Aufgabe erfüllen, wenn die Beschau von tüchtig geschulten Thierärzten geübt werde. Ans geordneten Märkten soll diese Beschau auch auf das Wildpret, die Fische, das Geflügel und die Fleischfabrikate ausgedehnt werden. Die Ausübung der Fleischbeschau richtet sich erstens auf die materielle Beschaffenheit der Ware und dann auf die gesundheitsschädli t ' en Beimengungen. Die materielle Schädigung beruht in dem betrügerischen Gebaren, indem nämlich zum Nachtheile des Käufer » andere Fleischsorten für die verlangte Ware gegeben werden. Aus den anatomischen Merkmalen lassen sich die einzelnen Fleischstücke bestimmen. Bei Fleischconserven und Würsten ist dies allerdings schwieriger,
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 28. November 1892, S. 7, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5648-vortrag-ueber-die-aufgaben-der-fleischbeschau-im-1892).
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