Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
KLERUS IM STICHT DES GUTEN

Austritt der Seelsorgspriester aus dem rothen Kreuze in Stubai auf Grund der Skaeel-Affaire

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 27. Februar 1894 · Seite 3 · #Rotes Kreuz
(Rothes Kreuz.) Wie bereits in diesem Blatte gemeldet wurde, haben die hochwürdigeu Herren Seelsorgspriester des Stubaithales nach gemeinsamem Beschluss ihren Austritt ans dem dortigen Zweigvereine vom rothen Kreuze erklärt. Dieserihr Schritt wurde in mehreren Blättern Nordund Südtirols, in einigen mit der unverkennbaren Tendenz publieiert, auch den übrigen Clerus zu veranlassen, sich demonstrativ vom rothen Kreuze zurückzuziehen. Als Motiv wird die bekannte militärbehördlich verfügte Transferierung des Militäreaplans Skaeel geltend gemacht. Erstaunt muss man sich fragen, wie denn das rothe Kreuz mit der Affaire Skaeel in Verbindung gebracht werden könne! Ist etwa das rothe Kreuz irgendwie daran schuld? Gewiss nicht, ebenso wenig, als die hochwürdigen Herren in Stubai. Aber wie kommt man dann dazu, seinen, sei es auch noch so berechtigten Unmuth gegen einen ganz Unschuldigen und Unbetheiligten zu richten? Man hält entgegen: Das rothe Kreuz ist an dem Fälle Skaeel allerdings unbetheiligt, aber umgekehrt, das Militär ist an dem rothen Kreuze betheiligt, und da wir durch die Haltung der Militärverwaltung in diesem Falle tief beleidigt worden sind, so ziehen wir uns von diesem „ militärischen" Institut des rothen Kreuzes zurück. Das heißt mit andern Worten: Weil uns die Militärbehörde vor den Kopf gestoßen hat, lassen wir auch das Gute, das sie fördert und unterstützt, wir lassen auch ein humanitäres Institut, weil sich die Militärbehörde dafür interessiert, im Stich. Mit einer solchen Forderung dürfte sich wohl kaum jemand identisicieren wollen. Das wäre ebenso ungerechtfertigt, wie wenn ich mich von einer wohlthätigku Armenanstalt aus dem Grunde zurückziehen oder wohl gar dagegen agitieren wollte, weil ich von einem Freunde und Förderer derselben beleidigt worden bin. Der Vergleich stimmt aufs Haar. Nicht doch, hören wir erwidern: Der Gönner der Armenanstalt hat kein persönliches Interesse a» derselben, während das rothe Kreuz „ nur dem Militär dient ". Wem dient das rothe Kreuz in Wahrheit, wem kommt es zugute? Die Antwort lautet: ausschließlich nur Opfern schweren Unglücks, vorab den armen Opfern eines Krieges- Oder soll etwa dem rothen Kreuze zur Last fallen, dass die Opfer eines Krieges in erster Reihe „Soldaten " sind?! Dann rufen wir die Familien auf, welche von der Wehrpflicht betroffen sind — und es sind deren nicht gar wenige — ob sie in den auf dem Schlachtfelde blutenden, in den Lazarethen und Spitälern stöhnenden „Militärs " ihre Söhne erkennen!
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 27. Februar 1894, S. 3, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5765-austritt-der-seelsorgspriester-aus-dem-rothen-kreuze-in-stubai-auf-1894).

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