Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
BEINBRUCH ODER BEINENDE BEHANDLUNG

Schwere Verletzung durch Curpfuscherbehandlung – junger Bursche aus Leibnig im Spital

Statthalterei bescheinigt worden sind. (Ein Curpfuscher.) Im Spitale zu Lienz befindet sich gegenwärtig ein Patient aus Leibnig, der von einem bekannten Curpfuscher aus Schlaiten im Jselthal wegen einer leichten Verletzung geradezu an den Rand des Grabes gebracht wurde. Der Fall, erzählt der Osttir. Sammler, war folgender: Vor ungefähr 8 Wochen hatte sich ein junger Bursche aus Leibnig eine Verletzung am Unterschenkel zugezogen. Der beigeholte Curpfuscher constatierte einen Unterschenkelbruch und legte einen Pech und Sprittelverband an. Nach kurzer Zeit bekam der Verletzte unsägliche Schmerzen, fing an zu phantasieren und versetzte wegen der auffälligen Lebensgefahr den Curpfuscher und die Eltern in große Besorgnis, weshalb die Eltern in der 6. Behandlungswoche die Herzlosigkeit gegen ihr Kind ablegten und einen Arzt holen ließen. Dieser fand die allgemeinen und localen Krankheitserscheinungen soweit schon gebracht, dass er selbst nicht mehr Hand anlegen wollte, und behufs einer eventuellen Operation den zum Skelette abgemagerten Patienten ins Spital wies. Eine genaue Untersuchung der Verletzung fand jedoch ein fingergroßes Holzstück längs der Unterschenkelknochen liegen, konnte aber keine Spur von einem Beinbruche finden. Die Entfernung des Fremdkörpers brachte dem Patienten die Gesundheit und das gerade Bein.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 1. Oktober 1894, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5816-schwere-verletzung-durch-curpfuscherbehandlung-junger-bursche-aus-1894).

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