Die tirolifche Kunst ist zwar würdig repräsentiert auf der Aufstellung, aber nicht ausreichend. Von der Schar erlesener Künstler, welche die gefürstete Grafschaft mit Stolz ihr Eigen nennt, haben nur wenige exponiert, die ihrem Geburtslande treugeblieben sind, fast gänzlich aber vermissen wir jene, die in den großen Kunstcentren Deutschlands ein glänzendes Musenheim gefunden haben oder nach Italien gewandert sind, um an südlicher Sonne ihr Talent zur vollen Reife gelangen zu lassen. Man scheut sich offenbar nach Wien zu gehen, weil man weiß, wie oft man an die Pforte des Sanctissimum, genannt Künstler- Haus, klopfen muss, dass man Einlass erlangt oder will auch der Möglichkeit eines Refus ausweichen. Der Großmeister unter den tirolischen Künstlern, Franz v. Defregger, hat übrigens ausgestellt. Sein neuestes größeres Werk „Tiroler Führer aus dem Aufstande 1809 " hat in einem der deutschen Appartements Aufnahme gefunden, weil Defregger in München lebt. Es ist zwar nicht das Beste, was dieser geniale Verherrlicher seiner engeren Heimat geschaffen, aber es erinnert an das Beste. Man sieht die wohlbekannten Heldengestalten wieder, die anno Neun dem Volke von Tirol vorangeleuchtet, in nachdenklichster Stimmung beisammen. Haschnger verliest ein Schriftstück, das böse Zeitung zu enthalten scheint. Spannung liegt auf den Gesichtern aller. Das Gemälde macht den Eindruck vollendeter Ausgeglichenheit, des reifesten, abgeklärtesten Könnens. Die Farbentöne sind saturiert, die Grundstimmung ist bis ins letzte Detail festgehalten. Gleichfalls in der deutschen Abtheilung sieht man das Oelgemälde „Englische K ü st e" des zur Zeit in Karlsruhe ansäßigen Rudolf H e l l w a g. Ein verfallendes Fischerdorf an brandender Küste. Die Färbung ist brillant gerathen. Das lässt für die Zukunft dieses erst siebenundzwanzigjährigen Künstlers viel Gutes erhoffen, denn starke Einheitlichkeit des Gedankens ist das Merkzeichen ungewöhnlicher Begabung. Alois D elugg stellte zwei Oelgemälde aus: „ Juni Aurn" und die Idylle „ Märzwind ". Wir geben dem letzteren den Vorzug. Die junge Mutter hängt Wäsche an die Strickleinen und befestigt sie an Kluppen. Im freien Arm ruht ihr Jüngstes, das sie an sich drückt. Märzwind durchbraust die Lüfte und macht die Wäsche schwanken. Es wird Frühling, auch im Herzen der Mutter, um die herum noch zwei Mägdlein sich tummeln. Ganz reizend ist das jüngere von ihnen mit seinen wundersüßen Blauaugen und dem nett zurechtgekämmten Blondhaar. Alles natürlich im Stile der Moderne und in
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 29. März 1894, S. 8, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5771-tiroler-kuenstler-auf-der-ausstellung-nur-mager-vertreten-1894).
5 (Ein Rund - Panorama von der Berg Jjel- Schlacht.) Die Münchner „ Neueste Nachr. " bringen in der Kunst - Chronik folgende Mitthei -. lung: Vor längerer Zeit brachte der tirolische Schriftsteller I. C. Platter in Innsb …
Beim Brückenwirt in Schwaz wurde ihm die Hilfe zutheil, worauf er nach Hause befördert wurdR (Jubiläum des Herrn Directors Jele.) Vorgestern abends veranstalteten die Angestellten der Tiroler Glasmalereianstalt in dem fe …
Dieselben beginnen um halb 9 Uhr abends. (Im AusstelluiigSsaale der Tiroler Glasmalerei) sind Sonntag von 8 — 12, Montag und Dienstag von 10 — 12 Uhr vormittag zwei Fenster für die Peter und Pauls - Kathedrale in London, …
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