Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
EIERKLAUBEN UND KOSTÜMBLÜHEN IN ZAMS

Eierklauben-Spiel bei Zams am Osterdienstag – Volksbelustigung im Oberinnthal

Eine sehr beliebte Volksbelustigung ist das „Eierklauben ", wie es imOberinnthalenächst dem Dorfe Zams stattfindet. Die Dorfburscheu betteln schon am Tage zuvor von allen Bäuerinnen eine tüchtige Anzahl Eier zusammen. Diese tragen sie am Osterdienstag, an dem gewöhnlich das Spiel abgehalten wird, in einem Korbe auf eine weite, freie Wiese unfern des Dorfes. Dort werden auf einem runden, mit einer Schicht Sand bedeckten Platze die Eier, 170 — 175 an der Zahl, derart hingelegt, dass jedes fünf Schuh vom andern entfernt ist und auf je zehn ein gefärbtes kommt. Der Korb steht daneben. So lang als an diesem Tage dünkt wohl keinem je der Nachinittagsrosenkranz, denn beim letzten Segengeklingel ist schon die ganze Kirche leer und alles eilt so schnell es die Füße erlauben auf den Spielplatz, wo sich bereits eine unabsehbare Menge Zuschauer von allen umliegenden Ortschaften eingefunden hat. Endlich kommt die Spielgesellschaft selbst, welche oft aus einigen 80 Köpfen besteht. Sie ist in zwei Heerlager getheilt, an deren Spitzen sich einerseits zwei Schnellläufer, andererseits der „ Eierklauber " befinden. Die übrigen erscheinen in einem Auszüge, als gelte es noch einmal Fastnacht zu halten. Türken, Mohren, Zigeuner, Dörcher, Hexen, wilde Männer u. s. w. in den seltsamsten Costümen, welche die bäuerliche Phantasie auf-
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 24. März 1894, S. 6, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5770-eierklauben-spiel-bei-zams-am-osterdienstag-volksbelustigung-im-1894).

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