Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
INNSBRUCK IM RAISBUCH DER TIROLER

Ein Innsbrucker Reisebuch aus dem 16. Jahrhundert in Darmstadt

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 14. Juni 1894 · Seite 8
8 Einiges über Innsbruck aus einem Krisebuche des 16. Jahrhunderts. Mitgctheilt von I. G. Obrist. Ein gebürtiger Tiroler war es, welcher von 1579 an ein sogenanntes „ Raisbuch" führte. Die in der Hofbibliothek zu Darmstadt befindliche Handschrift, über die am Schlüsse dieses Aufsatzes noch einige Notizen folgen sollen, wurde im Jahre 1877 von Dr. Ph. A. F. Walter unter dem Titel „Hans Georg Ernstingers Raisbuch" als 135. Band der „ Bibliothek des literarischen Vereins in Stuttgart " ( Tübingen 1877) sorgfältig herausgegeben; sie umfasst im Abdrucke 290 Seiten. Da nun die Publicationen genannter „ Bibliothek " für Nichtmitglieder der Gesellschaft im eigentlichen Buchhandel meist nur auf antiquarischem Wege erhältlich, daher weiteren Kreisen, wenn man die spärliche Benützung der Bibliotheken ausnimmt, überhaupt schwer zugänglich find, erachtete es der Verfasser des vorstehenden Feuilletons als nicht unersprießlich, aus dem vorerwähnten Abdrucke jene Stellen auszuheben, welche sich auf Innsbruck beziehen, und zwar geschah dies mit geringen Ausnahmen in modernisierter Schreibweise, weil der eigenartige Stil und die fremdartig anmutende alterthümliche Orthographie manchem Leser dieses Blattes die Lectüre sonst verleiten könnten. Hans Georg Ernstinger machte sich Aufzeichnungen *) über 50 Reisen in verschiedene deutsche und österreichische Provinzen und andere europäische Länder, darunter 10 von Innsbruck aus, von welchen er eben so oft dahin zurückkehrte. Wie viele deren er im ganzen, oder ob er solche noch nach 1602 zurückgelegt haben dürfte, bleibt uns vorderhand verborgen, weil die Blätter der Handschrift mit dem letztgenannten Jahre plötzlich äbbrechen; wie viele davon fehlen, kann man nicht wissen, bevor sie nicht vielleicht ein Zufall ans Tageslicht fördert, was indessen nicht sehr wahrscheinlich ist. Wir erwähnen ( den der Ausgabe beigefügten Registern zufolge) von den außerösterreichischen Reisezielen Ernstingers: Augsburg, München, Ulm, Genua, Mailand, Rom, Antwerpen, Lyon und Paris. Auch melden seine Mittheilungen Meise 37 — 41) von einer besonderen Reise durch die Schweiz, Frankreich und Spanien. Aus dem hier Gesagten lässt sich klärlich ent- *) D. h., soweit das unvollständig erhaltene Manuscript reicht. nehmen, dass dieses Innsbrucker Kind *) „ & er Lande viel gesehen " habe. Sein Herausgeber Dr. Walther äußert sich ferner über ihn als Mann, dessen Erzählung allerdings eines Reizes entbehre, den z. B. die Erzählungen anderer, wie z. B. Ulrich Krafts, in hohem Grade besitzen,, des Reizes nämlich, dass sie viel von persönlichem Erlebnissen Kunde
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 14. Juni 1894, S. 8, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5792-ein-innsbrucker-reisebuch-aus-dem-16-jahrhundert-in-darmstadt-1894).

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