Beilage z « den ZuKsbrvcker Nachrichte « Skr. 175 7. am August. Die Ballonfahrt Mw Uordpol. Auf dem gegenwärtig in London tagenden VI! internationalen Geographencongress sprach auch Andres über seinen Plan, den Nordpol im Ballon s zu erreichen. Der Berichterstatter der „ Franks. \ Zeitung " schreibt über dreien mit höchstem In s teresse erwarteten Vortrag: Andröe versteht eS, dresen Plan, den andere abenteuerlich nennen, so plausibel zu machen, dass der Laie keine Einwendungen dagegtN zu erheben hat. Für ihn handelt es sich bei der Ausführung dieses Projektes nur um viererlei: 1) ob ein Ballon hergestellt werden kann, der drei Personen, Instrumente, Voriäthc für 4 Monate und Ballast, alles im Gesammtgewicht von etwa 3000 Kilog. tragen kann; 2) ob dieser Ballon so undurchdringlich herzustellen ist, dass er für eine Dauer von 30 Tagen flott zu bleiben vermag; 3) ob die Füllung in der arktischen Region erfolgen kann und 4) ob der Ballon bis zu einem gewissen Punkte steuerbar sein wird. Natürlich beantwortete Herr Andrer diese Fragen mit einem lauten und vernehmlichen Ja. Ad 1) hatte Henri Giffard auf \ der Pariser Ausstellung von 1878 bereits einen [ Ballon von 36 Meter Durchmesser, 24500 Kubikmeter Capacität und einer Tragkraft, die um 9000 Kilogr. diejenige übersteigt, welche der 1 Ballon Anoräes nöthig hätte. A4 2) nach den practischen Versuchen, oie Poiseuilles und Graham anstellten, war es möglich, einen Ballon von 8 Meter Durchmesser von solcher Undurchdringlichkeit zu bauen, dass er nur 6 Kilogr. von seiner Tragkraft innerhalb eines Monats verlor. Ein Ballon von 23 Meter, und das wäre die Größe des für die arktische Reise benöthigten Ballons — würde demnach etwa 50 Kilogr. in einem Monat einbüßen. Ad 3) Es gibt tragbare Gasapparate, welche ebenso brauchbar, wie billig und leicht anwendbar sind. Da etwa 150 bis 200 Kubikmeter leicht in der Stunde hergestellt werden können, so dürste die Füllung des Ballons etwa 30 bis 40 Tage in Anspruch nehmen und sie müsste in einem besonderen Schuppen erfolgen, der zeitweilig zu diesem Zwecke zu errichten wäre. Bliebe nur noch Ad 4) die Frage der Steuerbarkeit zu beantworten. Sie wird selbstverständlich auch mit Ja beantwortet, denn Andrö hat in dieser Hinsicht Experimente gemacht und darüber Bericht an die königliche Akademie der Wissenschaften erstattet. Der ganze Apparat ist von großer Einfachheit, er besteht in einem Segel und in mehren Leitseilen, welche auf dem Boden nachschleppen. Sie haben die wichtigste Function, die Bewegung des Ballons etwas zu verringern, damit letzterer mit geringerer Geschwindigkeit
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 2. August 1895, S. 17, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5929-bericht-ueber-andrees-geplante-ballonfahrt-zum-nordpol-vor-dem-1895).
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