Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
ÄRZTE MIT VERANTWORTUNG

Mitgliederzahl der Aerztekammern in Österreich mit Stand 1895

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 21. August 1895 · Seite 18
(Das Mitgliederverzeichnis der österreichischen Aerztekammern.) Dem soeben erschienenen Mitgliederverzeichnisse der österreichischenArztekammern ist eine Reihe interessanter statistischer Daten zu entnehmen. Die bereits conslituierten achtzehn Aerzt kaMmern Oesterreichs — diejenigen von Dalmatien und Kärnten sind noch nicht cottstituiert — zählen 7594 Mitglieder. Davon gehören 1585 der Wiener Kammer an, während die zweigetheilte Prager Kammer, und zwar die czechische 990 und die deutsche 932 Mitglieder hat. Auf den ersten Blick frappiert es > dass das im Verhältnis zu Wien kleinere Prag mehr Aerzte, nämlich zusammen 1822 zählen sollte. Dieses Plus ist aber bloß ein scheinbares, denn die 1585 Wiener Aerzte bilden eine Kämmer für sich, während die Prager Doppelkammer alle Aerzte des Königreichs Böhmen in sich schließt. Galizien hat zwei Aerztekammern mit 920 Mit gliederst, u. ,d zwar eine ostgälizische mit dem Sitze in Lemberg mit 499 und eine westgalizische mit dem Sitze in Krakau Mit 421. Es folgen dann Brünn mit 656, Graz 496, Littz mit 320, Deutsch - Tirol ( Innsbruck) mit 258, Jtalienisch- Tirol ( Trient) mit 147, Troppaü mit 159, Triest mit 135, Klagenfurt mit 102, Salzburg Mit 92, Czernowitz mit 88, Pola ( Istrien) mit 68, Bregenz mit 51, und als die an Mitgliedern kleinste Kammer beschließt die von Görz und Gradisca mit 40 Mitgliedern den Reigen. — Bemerkenswert sind noch nachfolgende Bestimmungen „über die Pflichten der Aerzte gegen das Publicum ", welche der von der Troppauer Aerztekammer aüsgearbeiteten „ Standesordnung " entnommen ist. Sie lauten: Bei Verunglückungen oder plötzlich eingetretenen, Mit Lebensgefahr verbundenen Krankheitszuständen, welche eine unverzügliche ärztliche Hilfe erfordern, darf kein Arzt seine Hilfe versagen, es sei destn, dass ihm die Leistung derselben physisch unmöglich ist. Unnütze Besuche — außer auf ausdrückliches Verlangen — sollen vermieden werden. Es ist nicht statthaft, Kranke zu behandeln, ohne dieselben gesehen zu haben. Dahin gehört auch die sogenannte „ auf brieflichem Wege -. Aerztliche Rechnungen sind stets summarisch zu verfassen; eine Specification der ärztlichen Leistungen darf stur auf Grund bestimmter Vereinbarungen, stuf behördliches Verlangen, beziehungsweise über Aufforderung der Aerztekammer erfolgen. Es ist des ärztlichen Standes unwürdig, von der einmal gestellten Honorarforderung ' etwas abhandeln zu r lassen. Ist Fällen wirklicher Armuth hingegen ist es anständiger, auf das -. Honorar ganz zu verzichten. Doch ich es zulässig Ratenzahlungen anzunehmen und ' ist - Fällen kvirkkich ' er Bedürftigkert, wönn dieselben sticht eingehalten werden, stillschweigend' auf die weitere Bezahlung derselben zu verzichten.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 21. August 1895, S. 18, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5941-mitgliederzahl-der-aerztekammern-in-oesterreich-mit-stand-1895).

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