Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
ALPENPASSE IN ODER

Vom Niedergang der Alpenstraßen durch den Eisenbahnbau und der alten Fuhrwagenverkehre

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 21. August 1895 · Seite 17
Uermrschtes. (Aus der Vcrkehrsgeschichte der Ostalpen.) Die Mittheilungen des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereines enthalten einen Aufsatz von W. Kellner ( Gera) „ Aus der Verkehrsgeschichte der Ostalpen ", denn ttA die folgenden interessanten Ausführungen entnehmen: Die Güterbeförderung auf den östlichen Alpenstraßen war ehemals in den Händen der Kaufherren von Bozen, Innsbruck, Augsburg, Chur und Salzburg. Hochbeladene Frachtwagen mit sechs, acht und mehreren kräftigen, mit Messingplatten und anderem Kram geschmückten Rossen bespannt, von fröhlichen Fuhrleuten mit Sing und Sang und Peitschenknall begleitet, rollten über steilen Alpenstraßen bergan und thalwärts. In jener Zeit sind die stattlichen Gasthäuser entstanden, welche noch heute da und dort vereinsamt stehen, — verödet, seit die Verkehrswege unserer Zeit, die Eisenbahnen, bis in die Alpenthäler vorgedrungen sind und die vergletscherten Höhen, wo noch der ewige Winter waltet, durchbrochen haben. Mit dem Vordringen der Eisenbahnen verödet eine Alpenstraße nach der anderen; der Gotthard und der Splügen, das Wormserjoch und das Veltlin, der Bernina und der Julier, der Finstermünzpass und das Vintschgau, der Brenner, Arlberg, Phyrn und Tauernpass. Die Transportunternehmungen zwischen Deutschland und Italien beruhten im l5. und 16. Jahrhundert auf der sogenannten Wege oder Rodordnung, welche Unternehiner und Fuhrleute zu beachten hatten. Die Fuhrleute bildeten eine besondere Innung. Sie beförderten die Güter gegen eine besondere Taxe von einer Warenstation (Lager, Rodstätte) zur anderen. Für die Berechnung des Rodlohnes waren maßgebend: 1. Gewicht und Umfang der Güter; 2. Länge und Beschasteuheit der Wegstrecke. Auf eine Wagenladung wurden 12 Centner oder 8 Sam ( Saumthierladung) zu je 4 Centner gerechnet. Es lässt sich hiernach vermuthen, dass die Bergstraßen damals noch in einer für Fuhrweike sehr mangelhaften Beschaffenheit gewesen sein müssen. Die Warenzüge nahmen ihren Weg von der bayerischen Grenze bei Füssen nach Lermoos und über den Fernpaß nach Imst und Landeck; sodann über den Finstermünzpass und durch das Vintschgau nach Meran, Bozen, Trient, Levico, durch das Suganathal nach Primolana, Bassano und Venedig. Eine andere Route führte von Innsbruck aus zum Brenner, über letzteren in das Pusterthal, zweigte bei Toblach in das Ampezzothal ab und erstreckte sich über Belluno und Feltre bis in die italienische Ebene nach Treoiso. Besonders! lebhaft war der Verkehr über den Splügen, di e Route St.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 21. August 1895, S. 17, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/5940-vom-niedergang-der-alpenstrassen-durch-den-eisenbahnbau-und-der-1895).

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