Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
KEIN ABSCHLUSS, KURS AUF KRANKENSTUBE

Ueber die Entwickelung der ärztlichen Praxis und die Kämpfe gegen Quacksalber

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 17. Jänner 1896 · Seite 5
-rrztnvesm in alter Zeit. Bevor es Universitäten gab, wurde die Heilund Arzneikuust meist von Mönchen, insbesondere von Bcnedictinern und Dominicanern betrieben. Seltener waren Laienärzte — meistens Israeliten — um so zahlreicher jene Personen, welche ohne eigentliche medicinische Studien betrieben und mit den Werken des HypokrateS, GalenuS, Avicenna Bekanntschaft gnnacht zu haben, die ärztliche Praxis ausübten. Die befugten Medici nalpersonen führten den Titel Magister oder PhysicuS, im Gegensätze zu den Aderlassern, Purgierern und Salbadern, zu denen noch das Völklein der Adepten und Curpsuscher kam. Nach Errichtung der hohen Schulen war die Ausübung der Heibkunst nur den Graduierten der medieinischen Facultäten gestattet: Licentiaten hatten reicht das Recht, die ärztliche Praxis auszuüben, thaten es aber doch. Kein Mitglied der Facultät sollte die Behandlung eines Kranken übernehmen, wenn dieselbe schon ein College hatte, es sei denn, dass letzterer von der weiteren Behandlung freiwillig zurückgetreten und von dem Patienten zur Zufriedenheit entlohnt worden war. Gegen Quacksalber, Curpsuscher und Eindringlinge aus dem Auslande war die Facultät verpflichtet einzuschreiten. Der Stadtrath ließ sich aber selten bereit finden, ihr Assistenz zu leisten, denn manche dieser medicinische » Autodidakten erfreuten sich eines großen Ansehens und dann machten sie weit geringere Honoraraniprüche, als die diplomierten „Buch - Aerzte ". So griff denn die Facultät hartnäckigen Curpfuschern gegcnüaer zu dem Mittel, dass sie ihnen im Falle ihrer Erkrankung die ärztliche Hilfe zu verweigern gebot, äußerstenfalls Schritte machte, dass Quacksalbern, die im Verdachte standen, sich sympathetischer, zauberkräftiger Geheimmittel zu bedienen, excommuniciert wurden. An diesem Ueberhandnehmen von Pseudo- Aerzten trug das fortwährende Gezünke unter den Docwren nicht wenig Schuld.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 17. Jänner 1896, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6004-ueber-die-entwickelung-der-aerztlichen-praxis-und-die-kaempfe-gegen-1896).

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